Auf Tour mit einem Reptilienjäger in Sydney

Giftschlangen-Alarm auf dem Spielplatz in Australien

Sydney (AFP) - Die Zeichen stehen auf Angriff: Die Östliche Braunschlange hat den Kopf nach hinten gebogen und die Reißzähne entblößt. Mit rund 1,90 Metern Länge ist diese in Australien vorkommende Braunschlange die längste, mit der es Reptilienjäger Rob Ambrose je zu tun hatte. Schlangenfänger wie er werden vor allem entlang der dicht bevölkerten Ostküste Australiens gebraucht, wo sich viele Giftschlangen in die Städte verirren.
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Ambrose arbeitet als Schlangenfänger in Australien © AFP

Zwei Braunschlangen wurden auf einem Kinderspielplatz im Norden Sydneys gesichtet. Für Ambrose gilt Alarmstufe Rot: das Gift eines einzigen Bisses wäre genug, um 20 Erwachsene zu töten. Schließlich ist das Reptil nach dem Inlandtaipan, der vor allem in den Wüstengegenden im australischen Outback zuhause ist, eine der giftigsten Schlangen der Welt. Ihr Biss kann innerhalb einer Stunde zum Tod führen. Ein Anwohner alarmierte Ambrose, der das Paar schließlich einfangen konnte und ins nahe gelegene Buschland brachte.

Im Gegensatz zum Inlandtaipan leben die Östlichen Braunschlangen gern in Zivilisationsnähe und reagieren aggressiv, wenn sie provoziert werden oder sich bedroht fühlen. Am aktivsten sind sie im australischen Frühling zwischen September und November, wenn sie sich paaren. Dann ist Ambrose ständig auf Achse. "Über das Jahr verteilt sind es rund 180 Schlangen-Einsätze, aber während der Hochsaison können es vier am Tag sein", sagt er.

Nach Angaben der Abteilung für Giftforschung der Universität Melbourne leben in Australien 20 der 25 giftigsten Schlangen der Welt. Ein einziger Kratzer ihrer Giftzähne reicht schon, um Herz, Zwerchfell und Lungen zu lähmen. "Vor allem die Braunschlangen und die Taipane sind in der Super-Liga der Giftschlangen", sagt Ambrose. "Da will man nicht unbedingt seine Kinder in der Nähe wissen. Es ist auch nicht empfehlenswert, auf eine Braunschlange oder eine Todesotter oder eine Tigerotter zu treten."

Nach offiziellen Schätzungen gibt es jährlich rund 3000 Fälle von Schlangenbissen in Australien. 300 bis 500 davon müssen mit Gegengift

© AFP

behandelt werden. Durchschnittlich zwei im Jahr enden tödlich. Die meisten Australier lernen schon in ihrer Kindheit, wie ein Schlangenbiss versorgt werden muss. Seit in den Krankenhäuser Gegengift bereit gehalten wird, haben sich die Überlebenschancen auch nach den schlimmsten Bissen deutlich erhöht. So überlebte im Oktober ein Jugendlicher den Angriff eines Inlandtaipans nördlich von Sydney, weil er zügig ein Breitband-Antiserum verabreicht bekam.

Dean Purcell ist Reptilienwärter im Taronga-Zoo von Sydney und betont, mit der richtigen Erstversorgung bleibe meist sieben Stunden Zeit, ein Krankenhaus zu erreichen. Todesfälle würden immer seltener. "Ich würde bei einem Spaziergang im Busch lieber auf eine Schlange treffen als auf einen Bären", bekräftigt er.

Doch auch ungiftige Arten können manchmal so groß sein, dass sie Angst und Schrecken verbreiten. Vanessa Clarke aus Sydney rief Ambrose zu Hilfe, um zwei Diamantpythons einzufangen, die in ihrem Garten im Stadtteil Terrey Hills nisteten. Zwar zählen Diamantpythons nicht zu den Giftschlangen, doch mit einer Länge von 2,50 Metern fand Clarke sie trotzdem furchterregend. "Ich will sie lieber nicht in meinem Garten haben, wegen der Haustiere und der Kinder", erklärt sie. "Neulich hat eine der beiden eine Ente gefressen. Wir sahen die Ente in der Schlange, und die andere Ente schaute zu."

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