Studie: Eisverlust läss Meeresspiegel um 10,6 Millimeter steigen

Grönlands Eisschild schmilzt wesentlich schneller als erwartet

Paris (AFP) - Grönlands massiver Eisschild schmilzt viel schneller als erwartet. Als Folge könnten bis zum Ende des Jahrhunderts Millionen Menschen in Gefahr geraten, warnten Wissenschaftler in einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Fachzeitschrift "Nature". Den Forschern zufolge hat Grönlands Eisverlust den weltweiten Meeresspiegel seit 1992 bereits um 10,6 Millimeter steigen lassen. 3,8 Billionen Tonnen Eis seien in diesem Zeitraum geschmolzen - wesentlich mehr als in den Jahrzehnten davor.

Grönlands Eisschmelze Bild anzeigen Grönlands Eisschmelze © AFP

Wissenschaftler befürchten, dass die durch Treibhausgasemissionen bedingte globale Erwärmung die Eisschilde unwiederbringlich zerstört hat - mit potenziell katastrophalen Folgen für die Menschheit. Der Weltklimarat IPCC hatte 2013 eine Prognose abgegeben, wonach der Meeresspiegel bei anhaltender globaler Erwärmung bis 2100 um 60 Zentimeter ansteigt und 360 Millionen Menschen von jährlichen Küstenüberschwemmungen bedroht sein werden.

Die jüngste Studie zeigt jedoch, dass die Eisverluste in Grönland mit dem schlimmstmöglichen Klimaszenario des IPCC übereinstimmen, wonach der Meeresspiegel sogar um sieben Zentimeter mehr steigen wird - also um insgesamt 67 Zentimeter.

"Als Faustregel gilt, dass für jeden Zentimeter Anstieg des globalen Meeresspiegels weitere sechs Millionen Menschen Küstenüberschwemmungen ausgesetzt sind", sagte einer der Autoren der Studie, Andrew Shepherd von der britischen Universität Leeds. "Nach aktuellen Trends wird das Schmelzen des grönländischen Eises allein dazu führen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts jedes Jahr 100 Millionen Menschen von Überschwemmungen betroffen sind", erläuterte der Forscher.

Wenn die "sehr hohe Rate des Eisverlustes" anhalte, sei es möglich, dass "neue Kipppunkte" früher überschritten würden als bislang angenommen, sagte auch die britische Klimawissenschaftlerin Louise Sime. Durchschnittlich sind in den vergangenen Jahren 238 Milliarden Tonnen Eis jährlich geschmolzen - sieben Mal mehr als noch Anfang der 90er Jahre. Mit eingerechnet ist dabei noch nicht das Jahr 2019, das neue Höchststände setzen könnte.