Lufthansa streicht Flüge nach China - Erste Ausländer ausgeflogen

Immer drastischere Abschottungsmaßnahmen gegen Virus-Epidemie

Peking (AFP) - Die Angst vor einer Pandemie durch das neuartige Coronavirus sorgt für immer drastischere Abschottungsmaßnahmen: Lufthansa, die britische Fluggesellschaft British Airways und weitere Fluglinien setzen ihre Flüge nach China aus; zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, rieten von Reisen in die Volksrepublik ab. Japan und die USA flogen am Mittwoch hunderte Staatsbürger aus der besonders betroffenen Millionenstadt Wuhan aus. Deutschland plant für die nächsten Tage einen Sonderflug.
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Verlassene Straße in Wuhan © AFP

Rund einen Monat nach Meldung der ersten Fälle lag die Zahl der Erkrankten in Festland-China am Mittwoch nach Behördenangaben bei knapp 6000. 132 Patienten starben bislang. Außerhalb Chinas gibt es bisher etwa 50 Infektionsfälle in rund 15 Ländern, davon vier in Deutschland. Am Mittwoch erreichte der neuartige Erreger auch den Nahen Osten: Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten vier Erkrankte.

Als Reaktion auf die weitere Ausbreitung des Virus kündigte die Lufthansa am Mittwoch an, bis 9. Februar ihre Flüge von und nach China auszusetzen. Die Entscheidung betrifft auch alle Flüge der Swiss und Austrian Airlines, wie der Konzern erklärte. Chinesische Städte sollen demnach "noch ein letztes Mal" angeflogen werden, auch um Crewmitglieder nach Hause zu holen. Zuvor hatte bereits British Airways seine Flüge ausgesetzt. Indonesiens Billigflieger Lion Air, die nach Flugzeugen größte Airline in Südostasien, stellt ab Samstag alle China-Flüge ein.

Hongkongs Fluggesellschaft Cathay Pacific Airways hat bereits angekündigt, die Verbindungen zum chinesischen Festland ab Donnerstag bis Ende März um die Hälfte zu reduzieren. Auch die US-Fluggesellschaft United Airlines will ab Samstag weniger Flüge nach China anbieten. Kasachstan kappte alle Reiseverbindungen ins Nachbarland. Der kleine Pazifikstaat Papua-Neuguinea will gar keine Reisenden aus Asien mehr ins Land lassen.

China versucht bereits seit Tagen mit drastischen Reisebeschränkungen, der Isolierung ganzer Städte sowie einer Verlängerung der Neujahrsferien die Ausbreitung des neuen Virus in den Griff zu bekommen. Der schwedische Möbelgigant Ikea verkündete am Mittwoch die vorläufige Schließung der Hälfte seiner 30 Filialen auf dem chinesischen Festland. Die US-Fastfoodkette schloss nach eigenen Angaben bereits "mehrere hundert" Restaurants in der Provinz Hubei.

In Deutschland wurden am Dienstagabend drei weitere Krankheitsfälle durch das Virus bekannt. Wie im ersten Fall arbeiten die beiden Männer und eine Frau beim im oberbayerischen Landkreis Starnberg angesiedelten Automobilzulieferer Webasto, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Bei dem ersten in Deutschland infizierten Mann handelt es sich zugleich um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Asiens. Alle vier Patienten sind laut der behandelnden Klinik "symptomfrei und in klinisch gutem Zustand".

Japan und die USA flogen unterdessen als erste Länder hunderte eigene Staatsbürger aus der weitgehend von der Außenwelt abgeriegelten zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan aus, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte. In einer ersten europäischen Rückholaktion sollten zudem 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden. Am Donnerstag will Rom eine Maschine zur Evakuierung von Italienern aus Wuhan entsenden. Insgesamt wollen nach Angaben der EU-Kommission mindestens 600 Bürger aus 14 EU-Ländern aus Wuhan ausreisen, darunter hundert Deutsche.

Auch die Bundesregierung bereitet eine Evakuierung ihrer ausreisewilligen Bürger vor. Sie sollen laut Auswärtigem Amt in den nächsten Tagen mit einem Sonderflug der Luftwaffe nach Frankfurt gebracht werden. Die Rückkehrer sollen offenbar zwei Wochen in Quarantäne genommen werden: Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte dazu, solch eine Maßnahme sei angesichts der Inkubationszeit geplant. Die Entscheidung liege aber letztlich bei den Gesundheitsbehörden in Frankfurt am Main.

Auch Australien will seine Bürger aus Wuhan ausfliegen. Die dortigen rund 600 Australier sollen danach zwei Wochen lang auf der 2300 Kilometer von Australien entfernt gelegenen Weihnachtinsel unter Quarantäne gestellt werden. Auch Großbritannien kündigte eine zweiwöchige Quarantäne für aus China ausgeflogene Briten an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will internationale Experten nach China senden, um die weltweite Antwort auf das Virus zu koordinieren. Unicef schickte sechs Tonnen Hilfsgüter, darunter vor allem Masken und Schutzanzüge.

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