Wunsiedel/Feldkirchen (BJV/np) – Vom Hirschrücken über das Rehragout bis hin zum Wildschweinschinken – Wildgerichte sind gefragt und fester Bestandteil bayerischer Küche. Das saubere Erlegen und Verarbeiten ist für den Genuss die wichtigste Voraussetzung. Nach Auskunft des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gibt es bisher keine gesicherten Daten über die Belastung des Wildes, das mit bleihaltiger oder bleifreier Munition erlegt wurde. Es liegen keine wissenschaftlichen Studien darüber vor, wie hoch einerseits die Grundbelastung von Wildbret durch die Aufnahme von Schwermetallen mit der Äsung ist und wie hoch andererseits die Belastung durch Munitionsreste, selbst wenn exponierte Stellen wie Ein- und Ausschuss wie üblich sorgfältig entfernt werden.
Der Bayerische Jagdverband (BJV) gab am Freitag, 13. Juli 2012, den Startschuss für eine Untersuchung gesundheitlicher Aspekte bei der Verwendung bleihaltiger und bleifreier Munition. Das Forschungsprojekt zur Qualitätssicherung unseres Wildbrets findet im BJV-Lehr- und Forschungsrevier in Wunsiedel statt.
Beim Forschungsprojekt wird Wild, das mit bleifreier Munition erlegt wurde, auf Geschossrückstände untersucht. Parallel dazu wird Wildbret analysiert, das mit herkömmlicher Munition zur Strecke gebracht wurde. Das Projekt soll wissenschaftlich fundierte Ergebnisse über die mögliche Belastung von Wildbret durch die Munition liefern, um Rückschlüsse auf die gesundheitliche Belastung ziehen zu können.
Nach den Ausführungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) haben „neuere toxikologische Erkenntnisse (…) zu einer wissenschaftlichen Neubewertung von Blei geführt.“ Ziel sollte eine Minimierung des Bleieintrags über sämtliche betroffene Lebensmittel sein. Hauptsächlichen Quellen für die Bleibelastung im menschlichen Körper sind nach Darstellung des BfR Getreide, Gemüse und Obst, da diese in großen Mengen verzehrt werden. Aber auch Wildbret von Wildschweinen, Reh und Hirsch könnte eine Quelle für Bleibelastung sein, wenn es durch die Jagd mit konventioneller Munition zusätzlich durch Blei belastet ist (FAQ des BfR vom 19. September 2011).
Wahlweise werden zur konventionellen Bleimunition seit längerem Alternativprodukte (bleifreie Jagdmunition) angeboten. Für diese werden als Geschossmaterialien hauptsächlich Kupfer und Zink verwendet.
In einem zweiten Projekt sollen die Ökotoxizität bleifreier Jagdmunition und die Belastung der Umwelt untersucht werden. „Die Verwendung von Kupfer als Alternativmunition birgt auch Risiken, da Kupfer der Alternativmunition in der Umwelt hoch toxisch reagieren kann“, sagt BJV-Präsident Vocke. Bislang liegen keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen zur chemischen Reaktion von Kupfer, Kupferlegierungen und anderer Blei-Ersatzstoffe in Böden vor. Diese zusätzlichen Untersuchungen sind bundesweit derzeit einmalig.
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