Rund 2000 Gäste nehmen an Zeremonie im Kaiserpalast in Tokio teil

Japans Kaiser Naruhito besteigt feierlich den Thron

Tokio (AFP) - Japan hat nun ganz offiziell einen neuen Kaiser: Naruhito, der das Amt nach der Abdankung seines Vaters bereits im Mai übernommen hatte, wurde am Dienstag feierlich inthronisiert. Bei der Zeremonie mit rund 2000 Gästen aus dem In- und Ausland, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau, bestieg der 59-jährige Tenno den Chrysanthemen-Thron im Kaiserpalast in Tokio. Regierungschef Shinzo Abe rief drei Mal "Banzai!" (Lang lebe der Kaiser!).
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Inthronisierung von Kaiser Naruhito © AFP

"Ich erkläre hiermit für die Heimat und das Ausland meine Inthronisierung", sagte Naruhito bei der förmlichen Zeremonie zur Amtsübernahme. "Ich gelobe, dass ich stets für das Glück des japanischen Volkes und den Weltfrieden beten werde." Damit wolle er seine "Pflicht als Symbol Japans erfüllen". Naruhito war bereits am 1. Mai zum Tenno ernannt worden, nachdem sein Vater Akihito in einem ungewöhnlichen Schritt abgedankt hatte.

Regierungschef Abe sagte dem Kaiser zu, dass "das japanische Volk Ihre Hoheit als Symbol des Staates und der Einheit respektieren" werde. Die japanische Regierung gab bekannt, dass aus Anlass der Inthronisierung mehr als eine halbe Million Menschen begnadigt werden, die wegen kleinerer Vergehen verurteilt worden waren.

Der Kaiser nahm in einer kupferfarbenen Robe mit einer schwarzen Kopfbedeckung auf dem acht Tonnen schweren Thron "Takamikura" Platz, die Kaiserin in einem hellen, mehrschichtigen Kimono auf ihrem kleineren "Michodai"-Thron. Nur Trommel- und Gong-Schläge durchbrachen die Stille und gaben den Ablauf der Zeremonie vor.

Zu den Gästen aus etwa 180 Ländern zählten neben Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam, der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro und der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, König Sihamoni von Kambodscha, der niederländische König Willem-Alexander und Königin Máxima, der schwedische König Carl XVI. Gustaf und Kronprinzessin Victoria und der britische Thronfolger Charles.

Am Abend lud das Kaiserpaar rund 400 Gäste zu einem Bankett. Örtlichen Medien zufolge wurde traditionelle japanische Musik gespielt und ein japanisches Menü mit Gerichten wie Klare Suppe mit japanischem Hummer und Matsutake-Pilzen, mit Rindfleisch umwickelter Spargel und geräucherter Lachs serviert.

Eine ursprünglich geplante Parade des Kaisers mit seiner Frau, Kaiserin Masako, durch Tokio wurde wegen der jüngsten Zerstörungen des Taifuns "Hagibis" auf den 10. November verschoben.

Vor dem Palast versammelten sich trotz strömenden Regens einige Anhänger des Kaisers. "Ich weiß, dass wir die Zeremonie nicht sehen können, aber ich wollte die Atmosphäre vor dem Palast spüren", sagte Shoko Koeda.

"Ich als Japanerin spüre, dass das ein historischer Moment ist", sagte die 51-jährige Kyoko Tanaka. "Ich möchte, dass das Kaiserpaar ein gutes Vorbild für das japanische Volk ist, wie es ihre Vorgänger waren."

Naruhito ist seit 1993 mit Masako Owada verheiratet, die einer Diplomatenfamilie entstammt. In Japans Monarchie werden bei der Thronfolge nur Männer berücksichtigt. Die Tochter des Kaiserpaares, die 17-jährige Aiko, kommt daher nicht in Betracht.

Thronfolger ist derzeit Naruhitos Bruder Akishino. Sein 13-jähriger Sohn Hisahito wäre ohne Änderung der Bestimmungen der einzige Nachfolger, der das Erbe der japanischen Dynastie fortsetzen könnte, die auf eine mehr als 2000 Jahre währende Tradition zurückblickt.

Die Kaiserfamilie hat in Japan recht breiten Rückhalt, auch wenn die Begeisterung bei jüngeren Japanern nachlässt. In einer Umfrage, die der öffentlich-rechtliche Sender NHK kurz vor Naruhitos Inthronisierung veröffentlichte, gaben 70 Prozent der Bürger an, dass sie gegenüber dem Kaiserhaus "freundlich oder wohlgesonnen" eingestellt seien.

Für eine Änderung der Thronfolgeregelungen sprachen sich demnach 74 Prozent der Befragten aus. Die Berücksichtigung von Frauen wird zwar bereits diskutiert, formelle Schritte für eine Reform wurden aber bislang nicht eingeleitet.

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