Joshua Boyle unter anderem wegen sexueller Übergriffe und Morddrohung beschuldigt

Kanadische Ex-Taliban-Geisel festgenommen

Montréal (AFP) - Der mit seiner Familie über Jahre von Islamisten in Afghanistan festgehaltene Kanadier Joshua Boyle ist in seinem Heimatland festgenommen worden. Boyle werde unter anderem der sexuellen Übergriffe, Freiheitsberaubung, Gewaltanwendung und wegen Morddrohungen beschuldigt, hieß es am Dienstag in Medienberichten, die von Boyles Anwalt Eric Granger bestätigt wurden. Die Identität des Opfers wurde auf richterliche Anordnung nicht preisgegeben.
Joshua Boyle im Oktober in Kanada Bild anzeigen
Joshua Boyle im Oktober in Kanada © AFP

Granger betonte, für seinen Mandanten gelte die Unschuldsvermutung. Zudem sei Boyle in der Vergangenheit noch nie polizeilich auffällig geworden. Boyle sollte nach Angaben seines Anwalts noch am Mittwoch vor einem Gericht in Ottawa erscheinen.

Einem Bericht des Nachrichtensenders CTV zufolge wird gegen Boyle auch ermittelt, weil er versucht haben soll, den Verdacht von sich zu lenken, sowie wegen der Verabreichung einer giftigen Substanz.

Boyles Ehefrau, die US-Bürgerin Caitlan Coleman, teilte der Zeitung "Toronto Star" mit, die durch die jahrelange Geiselhaft bei den Taliban in Afghanistan erlittene "Belastung" und das entstandene "Trauma" hätten sich auf den Geisteszustand ihres Mannes ausgewirkt.

Coleman äußerte sich nicht zu den konkreten Vorwürfen und sagte auch nicht, dass sie selbst das Opfer sei. Allerdings fügte sie hinzu: "Mit Mitgefühl und Vergebung hoffe ich, dass ihm geholfen und er geheilt werden kann." Sie und die drei gemeinsamen Kinder seien gesund.

Boyle und Coleman waren 2012 von den Taliban in Afghanistan gefangengenommen worden, wo sie sich nach eigenen Angaben zu einer Wanderung aufhielten. Später wurden sie an das Hakkani-Netzwerk übergeben, das mutmaßliche Verbindungen zum pakistanischen Militär unterhält. Während der Gefangenschaft bekam das Paar drei Kinder. Boyle warf dem Hakkani-Netzwerk vor, ein weiteres seiner Kinder ermordet und seine Frau vergewaltigt zu haben.

Die Familie kam im Oktober vergangenen Jahres frei. Die pakistanische Armee sprach von einer riskanten Befreiungsaktion, was allerdings von einigen Beamten in den USA und Kanada angezweifelt wird. Spekuliert wurde über eine mit dem Hakkani-Netzwerk "ausgehandelte Übergabe".

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder