Verband: Früherkennungskonzept nicht mehr zeitgemäß

Kinderärzte wollen Vorsorgeuntersuchungen überarbeiten

Berlin (AFP) - Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sieht erheblichen Verbesserungsbedarf bei den Vorsorgeuntersuchungen. Das derzeitige Konzept sei überholt und müsse komplett überarbeitet werden, forderte Verbandspräsident Wolfram Hartmannin Berlin. Das alte Konzept der Früherkennung, also dem frühestmöglichen Erkennen bereits vorhandener Erkrankungen, müsse durch ein Konzept ersetzt werden, das Krankheiten noch vor ihrer Entstehung verhindert.

Kinderärzte wollen Vorsorgeuntersuchungen überarbeiten Bild anzeigen Kinderärzte wollen Vorsorgeuntersuchungen überarbeiten © AFP

Derzeit werden viele Krankheiten und Störungen nach Ansicht der Kinderärzte nicht rechtzeitig erkannt. "Wir sehen mit großer Sorge die zunehmende Zahl von Kindern mit Entwicklungsdefiziten vor allem der Sprache, der Kognition, des Sozialverhaltens, aber auch der Motorik, die mit diesen Handicaps zu einem großen Teil bereits in der Schule scheitern", erklärte Hartmann. Große Sorge bereite auch die große Zahl übergewichtiger Kinder, denen früh Herz- und Gefäßerkrankungen oder Diabetes drohten.

Hartmann forderte die Politik und die Selbstverwaltung von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen auf, ein überarbeitetes Kindervorsorgeprogramm vorzulegen. Dieses neue Konzept sei allerdings aufwändiger und teurer als das bisherige, räumte der Verbandschef ein.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sieht hingegen keinen vordringlichen Handlungsbedarf. Er verwies auf die zahlreichen Aktivitäten zur Prävention und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter. Die Bundesregierung messe dem einen "hohen Stellenwert" bei, erklärte Bahr. Durch die laufende Weiterentwicklung des Vorsorgeprogramms könnten künftig aber auch Aspekte zur primären Prävention, also der Verhinderung von Krankheitsentstehung, stärker berücksichtigt werden.

Das Früherkennungsprogramm für Kinder im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung wurde vor 40 Jahren eingeführt. Durch genau festgelegte Untersuchungen wie der U 5 bei einem etwa sechs Monate alten Säugling oder der U 9 im fünften Lebensjahr sollen Fehlentwicklungen und gesundheitliche Störungen wie Stoffwechselstörungen, Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, Krankheiten der Sinnesorgane und der Zähne frühzeitig erkannt werden.