Mehr Erkrankungen als während Sars-Epidemie - Vier Ansteckungen in Deutschland

Krise durch Virus in China nimmt an Dramatik zu

Peking (AFP) - Die von dem Coronavirus ausgelöste Gesundheitskrise in China nimmt immer dramatischere Ausmaße an: Inzwischen liegt die offizielle Zahl der Erkrankungen in der Volksrepublik bei knapp 6000 und damit höher als während der Sars-Epidemie der Jahre 2002 und 2003. Die Zahl der Todesfälle stieg um weitere 26 auf 132, wie die chinesische Regierung am Mittwoch mitteilte. In Deutschland gibt es mittlerweile vier Krankheitsfälle durch den Erreger mit dem Namen 2019-nCoV.
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Verlassene Straße in Wuhan © AFP

Nach Angaben des Gesundheitsausschusses der chinesischen Regierung nahm die Zahl der Krankheitsfälle seit Dienstag um mehr als 1400 auf 5974 zu. Während der Sars-Epidemie waren in Festlandchina laut der offiziellen Bilanz 5327 Menschen erkrankt.

In Deutschland wurden am Dienstagabend drei weitere Krankheitsfälle durch das Virus bekannt. Wie im ersten Fall arbeiten die Betroffenen beim im oberbayerischen Landkreis Starnberg angesiedelten Automobilzulieferer Webasto, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte.

Bei dem ersten in Deutschland erkrankten Mann handelt es sich zugleich um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Asiens. Der 33-Jährige hatte sich den Behörden zufolge am 21. Januar während einer Schulung bei einer Kollegin aus China infiziert. Die Firma schloss vorübergehend ihren Standort in Stockdorf bis Sonntag. Auch verhängte sie nach eigenen Angaben eine zweiwöchige Sperre für Dienstreisen nach China.

Insgesamt wurden außerhalb von China bislang insgesamt etwa 50 Fälle von Infektionen mit dem Virus verzeichnet, sie verteilen sich auf rund 15 Länder. Zuletzt wurde ein erster Fall aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeldet.

Japan und die USA flogen unterdessen als erste Länder eigene Staatsbürger aus der weitgehend von der Außenwelt abgeriegelten zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan aus, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte. Am Mittwochmorgen landete in Tokio eine aus Wuhan kommende Maschine mit rund 200 Japanern an Bord.

Auch ein Flugzeug mit rund 200 US-Bürgern flog aus Wuhan ab, wie das Außenministerium in Washington mitteilte. Darunter befanden sich Mitarbeiter des dortigen US-Konsulats. In einer ersten europäischen Rückholaktion sollen am Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Montag gesagt, auch die Bundesregierung ziehe "eine mögliche Evakuierung aller ausreisewilligen Deutschen" in Betracht. Das Auswärtige Amt erließ am Dienstag eine Reisewarnung für die am stärksten von dem Virus betroffene Provinz Hubei, in der Wuhan liegt. Für den Rest des Landes empfahl das Ministerium, nach Möglichkeit nicht unbedingt notwendige Reisen zu verschieben.

Auch Australien will seine Bürger aus Wuhan ausfliegen. Die dortigen rund 600 Australier sollten danach zwei Wochen lang auf der Weihnachtinsel im Indischen Ozean unter Quarantäne gestellt werde, kündigte Premierminister Scott Morrison an. Die Weihnachtsinsel gehört zu Australien, ist aber rund 2300 Kilometer vom Festland entfernt. Sie geriet in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen, weil die australische Regierung dort Flüchtlinge unter harschen Bedingungen untergebracht hatte.

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