München (np) - Masern müsste es in Europa nicht mehr geben, dennoch erkranken in letzter Zeit immer häufiger Menschen daran. Für Ungeimpfte ist die Ansteckungsgefahr mit Masern extrem hoch. Laut Welt online werden in einem Raum mit 100 ungeimpften Menschen 99 mit großer Wahrscheinlichkeit krank. In München ist die Ansteckungsrate derzeit besonders hoch.
In Deutschland treten seit einigen Wochen häufiger Maserninfektionen auf. Bereits im Mai gab es ein vermehrtes Auftreten von Masern, in dessen Folge ein 26-Jähriger starb. „Dass ein Mensch in Deutschland an Masern stirbt, ist ein Skandal.", sagte damals Sean Monks, Sprecher des bayrischen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "Eigentlich hätte Deutschland bis 2010 laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Masern eliminieren sollen." In vielen Teilen der Welt und sogar in 13 afrikanischen Ländern gelten die Masern mittlerweile als ausgerottet. In Deutschland hingegen sind in den letzten Wochen Fälle der gefährlichen Krankheit aufgetreten. Dabei gibt es bereits seit 1970 eine Impfung dagegen. Diese wird in der Regel sehr gut vertragen.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnet in diesem Jahr den höchsten Anstieg an Masernfällen seit 2006. Zwei Menschen starben in diesem Jahr an der Krankheit. 1.500 Menschen erkrankten in den ersten neun Monaten dieses Jahres- und dabei sind nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene beroffen. Inzwischen entfallen durchschnittlich mehr als 22 Prozent der Masernerkrankungen auf Erwachsene zwischen 20 und 39 Jahren. Dabei gibt es seit 40 Jahren einen Impfstoff gegen die Erkrankung.
Ursachen für die Erkrankung können mannigfaltig sein. Das geringe Impfinteresse, Impfangst und eine negative Einstellung gegen das Impfen im Allgemeinen in der Bevölkerung trägt ihren Teil dazu bei. Besonders Bürgern zwischen 20 und 40 Jahren fehle oftmals der nötige Impfschutz, wie Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bereits im Mai beklagte. Viele der nach 1970 Geborenen leben heute oftmals ohne nötigen Impfschutz. Das kommt daher, dass sie als Kind nur einmal gegen Masern geimpft wurden und die Impfung anschließend nicht aufgefrischt wurde. Oder weil sie als Kind keine Impfung erhielten und auch nicht erkrankten. Da in Großstädten viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben, verbreiten sich die Viren umso schneller. „Offensichtlich gibt es trotz der gestiegenen Zahl der geimpften Kinder eine relativ große Anzahl von ungeschützten beziehungsweise für Masern empfänglichen Menschen, die erkranken können. Vielleicht funktioniert unser Ausbruchmanagement nicht immer so, wie es sollte.", so Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) am RKI.
Die Gesundheitsbehörden kritisierten den nachlässigen Umgang mit den Impfungen im Allgemeinen. Anders als zum Beispiel in Skandinavien gibt es in Deutschland keine Impfpflicht.
Dennoch scheint das Problem nicht nur Deutschland zu betreffen. In 40 der 53 Mitgliedstaaten der europäischen Region wurden bis Juli 2011 mehr als 26.000 Masernfälle verzeichnet.
Masern sind eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die insbesondere bei Erwachsenen mit Vorerkrankungen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen kann. Das Tückische an Masern ist, dass sie auch schon ansteckend sind, wenn noch keine typischen Symptome wie der Hautausschlag vorliegen. Kinder verkraften die Krankheit zumeist ganz gut. Viel schlimmer erwischt es in der Regel Erwachsene. Bei Ihnen verläuft sie um einiges schlimmer. Je älter der Patient und je schwächer sein Immunsystem, desto mehr Komplikationen können auftreten. Neben roten Hautflecken ruft die Erkrankung Fieber und einen erheblich geschwächten Allgemeinzustand hervor. In einigen Fällen können lebensbedrohliche Komplikationen wie Hirnhaut- und Lungenentzündung auftreten. Da die Masern durch Viren und nicht durch Bakterien übertragen werden, hilft auch keien Behandlung mit Antibiotika. Wer einmal an Masern erkrankt ist, ist dagegen immun.
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