Erkenntnisse aus Entdeckung in Saudi-Arabien für frühe Menschheitsgeschichte

Max-Planck-Institut: 120.000 Jahre alte Fußabdrücke von Homo sapiens gefunden

Washington (AFP) - Forscher des Max-Planck-Instituts haben im Norden von Saudi-Arabien etwa 120.000 Jahre alte Fußabdrücke von modernen Menschen entdeckt. Laut einer am Freitag im Fachmagazin "Science Advances" veröffentlichten Studie helfen die Funde zu verstehen, wie sich der Homo sapiens von Afrika aus in andere Teile der Erde ausbreitete.
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© AFP

"Fußabdrücke sind eine einzigartige Form fossiler Beweise", sagte Haupt-Studienautor Mathew Stewart der Nachrichtenagentur AFP. "Sie liefern Momentaufnahmen, die typischerweise einige Stunden oder Tage darstellen."

Der Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena fand die Spuren, als er 2017 in der Nefud-Wüste Feldforschung betrieb. Sie wurden mit einem Verfahren namens optisch stimulierte Lumineszenz (OSL) nachgewiesen, bei dem Lichtstrahlen auf Quarzkörner gerichtet werden und die Menge der von ihnen abgestrahlten Energie gemessen wird.

Von den hunderten Fußspuren, die auf diese Weise entdeckt wurden, schrieben Stewart und seine Kollegen sieben mit großer Sicherheit Menschen zu. Bei vier davon gehen die Forscher wegen ihrer ähnlichen Ausrichtung und zugleich unterschiedlicher Größe davon aus, dass sie von zwei bis drei Menschen stammen, die zusammen unterwegs waren.

Dass es sich um Exemplare des Homo sapiens handelte, leiten die Studienautoren daraus ab, dass Neandertaler nach bisherigem Forschungsstand nicht im Nahen Osten lebten. Außerdem schätzten sie auf Grundlage der Fußspuren das Gewicht und die Statur ihrer Urheber.

Die Nefud-Wüste ist heute eine kahle und trockene Landschaft. Den Studienautoren zufolge war das Gebiet aber nicht immer derart lebensfeindlich für Mensch und Tier: Auf dem Gebiet der im Zentrum des heutigen Saudi-Arabien liegenden Wüste habe es früher "ausgedehnte Graslandschaften mit permanenten Süßwasserseen und Flüssen" gegeben, schilderte Co-Studienautor Richard Clark-Wilson.

Der Rekonstruktion der Forscher zufolge zog der Ort, an dem die Fußabdrücke gefunden wurden, wegen der Süßwasservorkommen Menschen sowie Tiere an. Demnach hielt sich sich vor rund 120.000 Jahren eine kleine Gruppe von Homo sapiens dort auf, um sich an einem flachen See auszuruhen oder zu jagen. Auch Säugetiere wie Kamele, Büffel und Elefanten kamen an die Wasserstelle.

Die Forscher heben hervor, dass das Seeufer für die Menschen nur eine Zwischenstation auf einer längeren Reise gewesen sei. Sie leiten dies daraus ab, dass in der Region keinerlei Werkzeuge gefunden wurden, wie sie der damalige Homo sapiens verwendete.

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