Wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht, wurden 2010 insgesamt 1712 Todesfälle registriert. Das waren laut Statistischem Bundesamt 440 mehr als 2009, wo es noch 1272 Tote waren.
Zu den häufigsten Todesursachen zählten eine unzureichende Desinfektion, Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation oder Komplikationen bei einer Implantation eines künstlichen Gerätes. Allein durch "Zwischenfälle bei chirurgischen Eingriffen und medizinischer Behandlung" starben 944 Patienten. Ursache waren unter anderem fehlerhafte Schnitte und schlecht genähte Operationswunden.
Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Hedwig François-Kettner, sagte der AFP, die Dunkelziffer liege "noch höher". Hochrechnungen deuteten darauf hin, dass jährlich bis zu 17.000 Todesfälle aufgrund von Behandlungsfehlern und anderen Komplikationen vermeidbar wären.
Der Anstieg der offiziellen Todesfälle sei aber auch auf ein höheres Fehlerbewusstsein zurückzuführen. "Ärzte und Kliniken melden Fehler und Zwischenfälle heute eher", sagte sie. Das Aktionsbündnis setze sich seit Jahren dafür ein, dass Behandlungsfehler nicht mehr unter den Tisch gekehrt werden.
Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), verweist auf die verbesserte Dokumentation. "Immer mehr Ärzte und Krankenhäuser gehen zu Fehlermeldesystemen über", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Dadurch würden "natürlich auch viel mehr Fehler erfasst".
Die Bundesärztekammer (BÄK) warnte vor einer Vorverurteilung der Ärzteschaft. "Jeder Mensch, der durch den Fehler eines Arztes oder eines anderen stirbt, ist einer zu viel", erklärte Ärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Nicht immer aber handele es sich um Behandlungsfehler. So seien Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation häufig auftretende Komplikationen und mangelnde Desinfektion oft "Strukturfehler und nicht Arztfehler".
Die Leiterin des Hygiene-Instituts der Berliner Charité, Petra Gastmeier, sagte im MDR Info, die Komplexität der Behandlungen nehme immer mehr zu. Bei immer mehr Patienten müsse ein Katheder oder ein Beatmungstubus eingeführt werden. Dadurch steige auch das Infektionsrisiko.
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