Politiker erwarten längere Dauer von Lockdown

Mehr als 54.000 Corona-Neuinfektionen und 1100 Todesfälle am Wochenende

Berlin (AFP) - In Deutschland sind am Wochenende gut 54.000 neue Corona-Infektionen gemeldet worden und damit so viele wie an noch keinem Wochenende während der Pandemie. Die Zahl der Toten erhöhte sich Samstag und Sonntag zusammengerechnet um 1111 auf 26.049, wie aus den Angaben des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. Es mehren sich die Stimmen, die eine Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus erwarten.
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Intensivstation der Uniklinik Aachen © AFP

Am Samstag meldete das RKI 31.300 neue Infektionen, am Sonntag 22.771. Sonntags und montags übermitteln nicht alle Gesundheitsämter Daten, deshalb liegen die Zahlen an diesen Wochentagen niedriger. Die Zahl der Corona-Infektionen stieg laut RKI damit auf rund 1,5 Millionen in Deutschland, als genesen gelten 1,1 Millionen.

Der Inzidenzwert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg auf 192,2. Das Ziel der Bundesregierung, für eine Nachvollziehbarkeit der Infektionen durch die Gesundheitsämter die Inzidenz auf unter 50 zu drücken, bleibt damit in weiter Ferne.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht deshalb derzeit auch noch nicht den Zeitpunkt, über Erleichterungen nach dem 10. Januar zu sprechen. "Die aktuellen Zahlen sind so hoch, dass es falsch wäre, schon jetzt in eine Debatte um Lockerungen einzusteigen", sagte Söder der "Bild am Sonntag".

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte der "Rheinischen Post", "stand heute sehe ich noch nicht, dass es am 10. Januar großartige Lockerungen geben kann."Im Vordergrund stünden weiterhin Kontaktbeschränkungen, sagte Laumann.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) wollte sich zur voraussichtlichen Dauer des Lockdowns nicht äußern. "Jeder weiß, dass der 10. Januar nur eine Zwischenstation sein wird", sagte aber auch er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Finanziell können wir den Lockdown lange durchhalten", hob Scholz hervor.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte in der "Augsburger Allgemeinen", dass auch Supermärkte und Geschäfte zu den Risikobereichen zählten - dies zeigten neue Studien relativ klar. Das erkläre auch, weshalb während des Teil-Lockdowns relativ viele Neuinfektionen hinzugekommen seien. Lauterbach empfahl, dass deshalb ältere Menschen beim Einkaufen "dringend" eine FFP-2-Maske tragen sollten.

Nach Berechnungen der Krankenkasse Barmer, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete, erkranken Pflegekräfte in Deutschland deutlich häufiger an Covid-19 als Angehörige anderer Berufsgruppen. Das Erkrankungsrisiko liege demnach um 56 Prozent über dem Durchschnittswert, hieß es unter Berufung auf eine Auswertung der Zahl und Ursache von Krankmeldungen. Die leitende Medizinerin der Barmer, Ursula Marschall, begrüßte dazu den vorgesehenen Vorrang für Pflegekräfte bei Impfungen.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, rechnet ungeachtet der bald anlaufenden Impfungen weiter mit einer stark angespannten Lage in den Kliniken. "Die Impfungen werden sich im geringen Umfang auch auf den Intensivstationen wohl erst ab März oder April positiv niederschlagen", sagte er der "Rheinischen Post".

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