Krankenhäuser im Bundesstaat Amazonas haben keinen Sauerstoff mehr

Neue Proteste gegen Bolsonaro in Brasilien wegen dramatischer Lage in Kliniken

Manaus (AFP) - Dramatische Zustände in den Krankenhäusern im Bundesstaat Amazonas haben neue Proteste gegen den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ausgelöst. In Millionenstädten wie Rio de Janeiro, São Paulo oder Brasília gingen am Freitagabend zahlreiche Menschen auf ihre Balkone, schlugen mit Löffeln auf Töpfe und riefen "Bolsonaro, tritt zurück". Ähnliche Proteste hatte es zuletzt Mitte 2020 auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise gegeben.
Menschen mit Sauerstoffflaschen in Manaus Bild anzeigen
Menschen mit Sauerstoffflaschen in Manaus © AFP

Der Bundesstaat Amazonas im Nordwesten Brasiliens, wo das Gesundheitssystem schon im vergangenen April und Mai zusammengebrochen war und Tote in Massengräbern bestattet werden mussten, ächzt seit einigen Wochen wieder unter steigenden Infektionszahlen. Die Intensivstationen sind voll, viele Kliniken haben bereits keinen Sauerstoff zur Beatmung schwer kranker Patienten mehr. Betroffen sind nicht nur Corona-Patienten, sondern etwa auch zu früh geborene Babys.

Berichte über erstickende Patienten und verzweifelte Angehörige, die selbst Sauerstoffflaschen für kranke Verwandte in die Kliniken bringen, sorgen im ganzen Land für Entsetzen. In Manaus, der Hauptstadt von Amazonas, standen am Freitag dutzende Menschen Schlange, um Sauerstoff zu ergattern. "Diese hier ist für meine Oma", sagte ein Mann, der eine riesige grüne Sauerstoffflasche mitnahm.

Mit mehr als 208.000 Toten ist Brasilien nach den USA das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land der Welt. Der rechtsextreme Präsident Bolsonaro, der wegen seines Krisenmanagements seit Monaten in der Kritik steht, hat die Gefahr durch das Virus stets heruntergespielt und zuletzt auch immer wieder Zweifel an Impfungen geäußert.

Am Freitag kündigte seine Regierung an, zusätzlichen Sauerstoff nach Manaus zu liefern und Patienten in andere Bundesstaaten auszufliegen.

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