Der Mord an der elfjährigen Sharon und der achtjährigen Chiara am 24. März vergangenen Jahres hatte bundesweit für Erschütterung gesorgt. Die Mutter der beiden Mädchen hatte die Tatnacht in einer benachbarten Musikkneipe verbracht, die ihr Lebensgefährte betrieb. Bei ihrer Rückkehr in die Wohnung gegen fünf Uhr morgens entdeckte sie ihre leblosen Kinder.
Wie eine damals am Tatort eingesetzte Polizistin sagte, wurden bei zumindest einem der Mädchen Wiederbelebungsversuche unternommen. Diese blieben aber erfolglos, bei der ersten Hilfe sei nur weiteres Blut aus dem mit einem Messer zerstochenen Körper gepresst worden.
Verteidiger Adam Ahmed sagte, zum jetzigen Zeitpunkt werde sein Mandant weder Angaben zu den Tatvorwürfen noch zu seiner Person machen. Am Rande des Prozesses schloss Ahmed aber nicht aus, dass sich dieser im weiteren Verlauf äußern werde. Ob S. ein Geständnis ablegen könnte, wollte Ahmed nicht sagen. Bisher habe er nichts von seiner Aussage gegenüber seinem früheren Verteidiger zurückgenommen, dass er unschuldig sei.
S. soll seine Nichten mit einem Seil, einer Hantelstange und einem Küchenmesser brutal ermordet haben. Die Mädchen lieferten sich der Anklage zufolge einen verzweifelten Todeskampf mit ihrem Onkel. Im Prozess zeigten Polizisten Aufnahmen vom Tatort. In allen Zimmern der Wohnung befanden sich Blutspuren, an mehreren Stellen muss das Blut der Kinder regelrecht gegen die Wände gespritzt sein.
S. zeigte sich trotz der massiven Vorwürfe weitgehend emotionslos. Der Angeklagte hat selbst sechs Kinder - zwei aus einer ersten Ehe, vier aus seiner zweiten Ehe mit der Schwester der Mutter von Sharon und Chiara. Diese will sich inzwischen von ihm scheiden lassen.
Auf die Spur des Onkels war die Polizei durch eine Blutspur am Tatort gekommen, die ihm durch eine freiwillig abgegebene Speichelprobe zugeordnet werden konnte. Der Anklage zufolge mordete S. aus Geldnot. Er hatte für sich, seine Frau und die gemeinsamen vier Kinder ein Haus gebaut, konnte aber nicht mehr die Raten für den Kredit abbezahlen.
Den Ermittlungen zufolge bat S. trotz eines schon länger andauernden Familienstreits die Mutter von Sharon und Chiara um zunächst 50.000 und später 40.000 Euro als Ablöse für eine Wohnung, die die beiden Schwestern gemeinsam geerbt hatten. Darauf habe die Schwägerin aber nicht reagiert. In der Folge habe er deshalb einen Plan für einen Dreifachmord ausgeheckt.
Nach seinem ursprünglichen Plan wollte S. demnach nach dem Mord an den Mädchen auf deren Mutter warten und diese in der von ihm mit Wasser gefüllten Badewanne per Stromschlag durch einen Handmixer töten. S. wollte demnach das Ganze wie einen erweiterten Suizid aussehen lassen. Laut Anklage ließ S. seinen Plan fallen, weil die Mutter nicht wie von ihm erwartet um zwei Uhr nachts nach Hause kam. Er habe Angst bekommen, entdeckt zu werden und sei deshalb vor Vollenden seines Planes geflohen.
Noch keine Kommentare vorhanden