In seiner Predigt unter freiem Himmel, der auch Italiens Ministerpräsident Marion Monti zuhörte, kritisierte der erschöpft wirkende Papst ein verbreitetes Nützlichkeitsdenken, "das dabei ist, sich auch auf die zwischenmenschlichen und innerfamiliären Beziehungen auszuwirken". Zudem verteidigte er den arbeitsfreien Sonntag als "Oase der Besinnung und des Zusammenseins der Familie". Der Sonntag müsse ein "Tag des Menschen und seiner Werte" sein, sagte der Papst.
Benedikt XVI. wandte sich zudem erneut gegen eine Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare. Die Ehe müsse eine Verbindung von Mann und Frau sein, sagte er. Zur strittigen Frage geschiedener und wiederverheirateter Katholiken, die in der katholischen Kirche nach den geltenden Regeln nicht mehr die Kommunion empfangen dürfen, versprach der Papst, er selbst und die Kirche wollten sie bei ihren "schmerzhaften Erfahrungen des Verlusts und der Trennung" unterstützen.
Benedikt XVI. hielt sich von Freitag bis heute in Mailand auf, um zu Gläubigen aus mehr als 150 Staaten der Welt über traditionelle Familienwerte zu sprechen. Während seines Besuchs feierte der Papst mehrere große Gottesdienste. Das Weltfamilientreffen fand nach seiner Einführung durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 mittlerweile zum siebten Mal statt. Das nächste Treffen soll nach Angaben Benedikts XVI. im Jahr 2015 in Philadelphia in den USA stattfinden.
Angesichts von Forderungen nach einer Lockerung der Regeln zur Enthaltsamkeit für katholische Priester verteidigte der Papst das Zölibat. Für Geistliche sei die Keuschheit "das strahlende Licht seelsorgerischer Barmherzigkeit", sagte er am Samstag in einer Predigt. "Die Liebe Jesu gilt ohne Zweifel allen Menschen, hat aber für zölibatär lebende Priester und diejenigen, die zu einem frommen Leben berufen sind, eine besondere Bedeutung", führte er aus.
Angesichts des Priestermangels in der katholischen Kirche wird immer wieder über eine Lockerung des Zölibats diskutiert. Die Debatte wurde in der jüngeren Vergangenheit zudem durch zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester befeuert. Der Vatikan lehnt eine Abkehr vom Zölibat jedoch ab. In einem im November 2010 veröffentlichten Buch schlug Benedikt XVI. stattdessen unter anderem Wohngemeinschaften für Geistliche vor, um der Einsamkeit zu entgehen.
Bei einer sogenannten Nachtwache am Samstagabend schlug der Papst vor, Familien aus reichen Ländern sollten Patenschaften für Familien in armen Staaten übernehmen. Ähnlich wie bei Städtepartnerschaften über Ländergrenzen hinweg könne er sich auch vorstellen, dass "eine Familie in Frankreich, Deutschland oder Italien" einer Familie in einem armen Land helfe, die in Not sei, sagte Benedikt XVI. vor etwa 350.000 Menschen.
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