Einsatzleiter beim Spiel in Sheffield der grob fahrlässigen Tötung angeklagt

Polizist 30 Jahre nach Massenpanik im Hillsborough-Stadion vor Gericht

Preston (AFP) - Im englischen Preston hat 30 Jahre nach der Massenpanik mit 96 Toten im Sheffielder Hillsborough-Stadion der Prozess gegen den damaligen Einsatzleiter der Polizei begonnen. David Duckenfield, der zum Unglückszeitpunkt für die Sicherheit in dem Stadion verantwortlich war, erschien am Montag erstmals vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm grob fahrlässige Tötung in 95 Fällen vor. Der mittlerweile 74-Jährige beteuert seine Unschuld.
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David Duckenfield vor dem Gericht in Preston © AFP

Vor Beginn eines Spiels zwischen Liverpool und Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion im nordenglischen Sheffield hatte es am 15. April 1989 ein tödliches Gedränge gegeben. 96 Menschen starben. Da aber eines der Opfer erst vier Jahre nach dem Unglück seinen Verletzungen erlag, kann sein Fall nach damals geltendem Recht nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt der damalige Geschäftsführer des gastgebenden Clubs, Graham Mackrell. Er muss sich wegen Sicherheitsmängeln im Stadion verantworten. Mackrell plädierte ebenfalls auf nicht schuldig.

Der Prozess begann am Montag mit der Auswahl der Geschworenen. Aus 100 potenziellen Jury-Mitgliedern mussten zwölf bestimmt werden. Die Kandidaten wurden gefragt, ob sie Fans eines der involvierten Vereine seien oder die angeklagten Männer kennen würden. Wie lange das Gerichtsverfahren insgesamt dauern wird, ist noch nicht absehbar.

Nach einem Gerichtsurteil vom April 2016 trägt die Polizei die Verantwortung für die Tragödie im Stadion von Sheffield. Kurz vor dem Anpfiff warteten damals vor dem Stadion noch immer tausende Liverpool-Fans auf den Einlass, der Druck an den Eingangstoren stieg.

Schließlich traf der Polizei-Einsatzleiter die verhängnisvolle Entscheidung, das Eingangstor zum Westblock zu öffnen. Innerhalb von Minuten strömten rund 2000 weitere Fans auf die bereits überfüllten Ränge.

Hunderte Liverpool-Fans wurden in ihrem Block durch die von außen nachdrängenden Massen gegen die Zäune am Spielfeldrand gedrückt. 94 Menschen starben, hunderte weitere wurden verletzt - zwei von ihnen erlagen später ihren Verletzungen.

Das Spiel wurde trotz des Gedränges angepfiffen und erst nach sechs Minuten gestoppt. Nur ein einziger Krankenwagen wurde dann aufs Spielfeld gelassen - Symbol für die vielen Fehlentscheidungen der Polizei an diesem Tag.

Die Polizei gab zunächst Hooligans die Schuld an der Tragödie. Jahrelang kämpften Angehörige der Opfer dafür, die Fans zu entlasten. Im September 2012 kam eine unabhängige Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass die Polizei eigene Fehler bewusst vertuscht hatte. Vier Jahre später urteilte ein Gericht dann, dass der Tod der Liverpool-Fans kein Unfall war, sondern eine Konsequenz der vielen Fehlentscheidungen der Polizei.

Im September beginnt ein weiterer Prozess gegen die beiden damaligen Polizisten Donald Denton und Alan Foster und den pensionierten Anwalt Peter Metcalf. Ihnen wird unter anderem Justizbehinderung vorgeworfen.

Nach der Hillsborough-Tragödie verschärften die Behörden massiv die Sicherheitsbestimmungen in den englischen Stadien. Unter anderem gibt es heute nur noch Sitzplätze.

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