WWF: Natürliche Kapazität der Erde überschritten

Raubbau an der Natur nimmt immer dramatischere Formen an

Berlin (AFP) - Der weltweite Raubbau an der Natur nimmt nach einer neuen Untersuchung der Umweltschutzorganisation WWF immer dramatischere Formen an: Die Menschheit beanspruche die globalen Ökosysteme inzwischen derart, dass sie rechnerisch die Kapazität von 1,5 Erden bräuchte, um ihren Bedarf nachhaltig decken zu können, erklärte der WWF unter Berufung auf eine Studie zum sogenannten ökologischen Fußabdruck. Setze sich der Trend fort, beanspruche die Menschheit bis 2030 doppelt so viele Kapazität, wie die Erde eigentlich bereitstellen könne.
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Abgeholzter Regenwald in Brasilien © AFP

Der ökologische Fußabdruck ist eine Messgröße, die veranschaulichen soll, wie die Menschheit, einzelne Länder oder Individuen die natürlichen Ressourcen und die Regenerationsfähigkeit der Ökosysteme beanspruchen. Sie wird in der Kunsteinheit globaler Hektar (Gha) angegeben. Ein Abdruck gibt an, wie viel Fläche und damit Biokapazität für einen Lebenstil benötigt wird. Dabei geht es um den Platz für Siedlungen und Nahrungsproduktion, aber auch um die Fläche, die nötig wäre, um den Ausstoß des Treibhausgases CO2 natürlich zu binden.

Nach WWF-Angaben hat sich der ökologische Fußabdruck der Menschheit seit 1966 verdoppelt und wächst weiter. Derzeit beträgt er 18 Milliarden globale Hektar oder 2,7 Globale Hektar (Gha) pro Person. Die Kapazität des Planeten unter der Maßgabe einer natürlichen Regeneration liegt demnach aber bei nur zwölf Milliarden Gha oder 1,8 Gha pro Mensch. "Damit verbraucht die Menschheit 1,5-mal so viel natürliche Ressourcen wie sich jährlich erneuern", erklärte der WWF. Das sei in der Gesamtrechnung vor allem hohen CO2-Emissionen geschuldet.

Einwohner wohlhabender Staaten haben aufgrund ihres Lebenstils und der weit entwickelten Wirtschaft ihrer Länder einen wesentlich größeren ökologischen Fußabdruck als Menschen aus Entwicklungsländern. Die zehn Länder mit dem größten Abdruck pro Kopf sind dem WWF zufolge Katar, Kuwait, die Vereinten Arabischen Emirate, Dänemark, die USA, Belgien, Australien, Kanada, die Niederlande und Irland. Deutschland liegt auf Platz 30. Hätten alle Menschen den Umweltverbrauch eines Deutschen, wären 2,5 Erden zur Bedarfsdeckung nötig.

In seiner Studie mit dem Titel "Living Planet Report" schlägt der WWF auch wegen des fortschreitenden Artensterbens Alarm. Weltweit sei die Artenvielfalt seit 1970 um 30 Prozent zurückgegangen, in tropischen Regionen durchschnittlich sogar um 60 Prozent, teilte die Organisation unter Berufung auf einen von ihr zu diesem Zweck erhobenen Index mit. Gründe seien unter anderem die Zerstörung natürlicher Lebensräume, die Umweltverschmutzung und der weltweite Klimawandel.

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