Auch Kinder mussten zehn Jahre unter der Erde leben

Russland: Dutzende Sektenmitglieder in Bunker entdeckt

Moskau (AFP) - In Russland sind in einem unterirdischen Bunker rund 60 Mitglieder einer islamischen Sekte entdeckt worden. Unter den Menschen, die seit mehr als zehn Jahren abgeschieden vom Tageslicht in dem Bunker in der Stadt Kasan lebten, hätten sich auch 15 Kinder befunden, erklärte das Innenministerium der zentralrussischen Republik Tatarstan. Das Ministerium sprach "von schlimmsten Verletzungen der Rechte der Kinder".
Blick über Kasan Bild anzeigen Blick über Kasan © AFP

Der 85-Jährige Sektengründer Faisrachman Satarow habe seinen Anhängern verboten, den unter einem als Moschee genutzten Gebäude in der Hauptstadt Kasan gelegenen unterirdischen Schutzraum zu verlassen, sagte ein Ermittler. Die Kinder der Mitglieder durften demnach nicht zur Schule gehen, selbst zur medizinischen Behandlung durften sie den Bunker nicht verlassen.

Das labyrinthische Bunkersystem bestehe aus sechs Quadratmeter großen Zellen, in denen die Kinder ohne Frischluft hausten, erklärte das Ministerium. Nach ihrer Befreiung aus den unterirdischen Verliesen hätten sämtliche Kinder wegen ihres schlechten Zustands zunächst ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Die Behörden leiteten Ermittlungen gegen Satarow sowie weitere Sektenmitglieder ein.

Nach Angaben des Innenministeriums hatte Satarow, der sich 1964 zum Propheten ausgerufen hatte, 1996 Land zum Bau einer Religionsschule gekauft. Anschließend seien nach und nach weitere Mitglieder der Sekte in die Anlage gezogen. Entdeckt wurde sie nun im Zuge von Durchsuchungen islamischer Einrichtungen nach einem Angriff auf zwei Geistliche im Juli. Die Behörden äußerten sich zunächst nicht, wie die Sekte mehr als zehn Jahre lang unentdeckt in Kasan bestehen konnte.

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