Benedikt XVI. bei Großgottesdienst begeistert empfangen

Spannung vor Papst-Treffen mit Kubas Staatschef Castro

Santiago de Cuba (AFP) - Mit Spannung wird am zweiten Tag der Reise von Papst Benedikt XVI. in das kommunistische Kuba ein Gespräch des katholischen Kirchenoberhaupts mit Staatschef Raúl Castro erwartet. Schon am Vorabend rief das katholische Kirchenoberhaupt vor rund 200.000 Gläubigen im südöstlichen Santiago de Cuba dazu auf, eine "offene und erneuerte Gesellschaft" zu schaffen. Möglicherweise trifft der Papst auch Ex-Staatschef Fidel Castro.

Castro (r.) empfängt den Papst Bild anzeigen Castro (r.) empfängt den Papst © AFP

Benedikt XVI. wurde bei seiner Ankunft am Flughafen von Santiago de Cuba am Montag von Raúl Castro und kirchlichen Würdenträgern empfangen. Dort sagte der Papst, er komme als "Pilger der Barmherzigkeit" und trage "die gerechten Hoffnungen und berechtigten Sehnsüchte aller Kubaner" im Herzen. Castro sagte, Kuba empfange den Papst mit "Zuneigung und Respekt" und fühle sich "geehrt".

Der Staatschef nahm auch an der Messe in Santiago de Cuba teil. Die Gläubigen begrüßten Benedikt XVI. mit lautem Jubel. Bei dem Gottesdienst sagte der Papst, die Kubaner sollten "mit den Waffen des Friedens, der Vergebung und des Verständnisses" kämpfen. Zudem ermahnte er seine Zuhörer mit Blick auf die in Kuba zulässige Abtreibung, sie sollten "das menschliche Leben empfangen".

Eine 76-jährige Kubanerin, die vor rund fünf Jahrzehnten in die USA geflohen war und nun anlässlich der Papstreise erstmals zu einem Besuch zurückkehrte, sagte, es sei "das erste Wunder der Papstreise", dass sie dabei sein dürfe. Wie sie erhielten viele Auswanderer dank im vergangenen Jahr zwischen Havanna und Washington vereinbarter Reiseerleichterungen Spezialvisa für den Papstbesuch.

Für heute ist in der Hauptstadt Havanna ein offizielles Gespräch des Papstes mit Staatschef Castro vorgesehen. Auch dessen Vorgänger und Bruder Fidel Castro will Benedikt XVI. treffen. Der Papst stehe zur Verfügung, hieß es. Eine Begegnung des Papstes mit dem venezolanischen Staatschef Hugo Chávez, der sich zu einer Krebsbehandlung in Kuba aufhält, galt hingegen als unwahrscheinlich.

Mit Spannung wird verfolgt, ob sich der Papst explizit zu politischen Fragen äußert. Während seines Flugs nach Mexiko, wo er die vergangenen Tage verbachte, hatte Benedikt XVI. am Freitag den Marxismus in Kuba als nicht mehr zeitgemäß kritisiert und zur Suche nach "neuen Modellen" aufgerufen. Die katholische Kirche verortete er dabei "an der Seite der Gewissens- und Religionsfreiheit".

Die kubanischen Sicherheitskräfte nahmen nach Oppositionsangaben in den vergangenen Tagen mehr als 150 Regierungsgegner fest. Zudem wurden demnach Dissidenten am Verlassen ihrer Häuser gehindert, um ihnen die Teilnahme an Papstmessen zu verwehren. Nach Angaben des Vatikans will der Papst bei seinem Besuch in Kuba keine Vertreter der Opposition treffen.

Bei der Reise des Papstes nach Mexiko und Kuba handelt es sich um seinen ersten Besuch im spanischsprachigen Lateinamerika seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005. Insgesamt ist es seine 23. Auslandsreise. Nach einer Messe auf dem Platz der Revolution in Havanna soll Benedikt XVI. am Mittwoch wieder nach Rom zurückfliegen.