Rund 90 Festnahmen bei Razzia gegen 'Ndrangheta - Zelle in NRW im Visier

Staatsanwälten und Elitepolizisten gelingt internationaler Schlag gegen Mafia

Wiesbaden (AFP) - Internationaler Schlag gegen die Mafia: Bei der bislang größten koordinierten Anti-Mafia-Razzia in Europa haben Fahnder am Mittwoch in mehreren Staaten rund 90 Verdächtige aus dem Umfeld der italienischen 'Ndrangheta festgenommen, davon 14 in Deutschland. Laut Bundeskriminalamt (BKA) gingen die deutschen Behörden dabei gegen eine 'Ndrangheta-Zelle in Nordrhein-Westfalen vor. BKA-Vizepräsident Peter Henzler sprach von einem "empfindlichen Schlag" gegen die stärkste Mafiagruppierung.
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BKA-Vizepräsident Peter Henzler © AFP

An der Operation unter dem Decknamen "Pollino" waren in den Niederlanden, in Italien, Deutschland und Belgien sowie im südamerikanischen Surinam mehrere hundert Polizisten - darunter Spezialeinsatzkommandos - und Staatsanwälte beteiligt. Schwerpunkte in Deutschland waren Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Insgesamt wird laut BKA in Deutschland gegen 47 Beschuldigte ermittelt. Mehr als 440 BKA-Beamte, die zudem von Bundespolizisten unterstützt wurden, waren im Einsatz. 65 Objekte wurden durchsucht. Die Vorwürfe gegen die Verdächtigen lauten auf bandenmäßigen Drogenhandel, Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung.

In einer gemeinsamen Erklärung werteten die Ermittler aus den beteiligten Staaten den Einsatz als "entscheidenden Schlag gegen die `Ndrangheta". Bei der kalabrischen Mafiaorganisation handle es sich um "eine der mächtigsten verbrecherischen Vereinigungen der Welt", die den Großteil des europäischen Kokainhandels kontrolliere und dabei Delikte wie systematische Geldwäsche, Bestechung und Gewalttaten verübe.

Zu den Festgenommen zählen demnach auch ranghohe Mitglieder der Mafiagruppe. Die Durchsuchungen fanden unter anderem in italienischen Restaurants und Eiscafés statt. Die Ermittler rechneten damit, dass bei der Aktion insgesamt rund zwei Millionen Euro Vermögenswerte beschlagnahmt wurden. In den Niederlanden beschlagnahmten die Beamten vier Tonnen Kokain und 140 Kilogramm Ecstasy-Tabletten.

BKA-Vizepräsident Henzler sagte mit Blick auf den Einsatz in Deutschland, die Tatverdächtigen seien "hochprofessionell" und "konspirativ" vorgegangen. Um den Ermittlern die Arbeit zu erschweren, hätten sie unter anderem präparierte Smartphones benutzt. Auch seien bei Drogentransporten aus den Häfen Rotterdam und Antwerpen eingesetzte Fahrzeuge regelmäßig auf andere Halter umgemeldet worden, um so neue Kennzeichen zu erhalten.

Der Schwerpunkt der Aktion in Italien lag in den Regionen Kalabrien und Catanzaro, wo den Angaben zufolge allein 41 Verdächtige festgenommen wurden. In Belgien konzentrierten sich die Einsätze vor allem auf die Gegend um Limburg, eine Hochburg italienischer Einwanderer.

"Heute haben wir eine klare Botschaft an kriminelle Vereinigungen in ganz Europa gesendet", sagte der Vizechef der europäischen Justizbehörde Eurojust, Filippo Spiezia, in Den Haag. "Sie sind nicht die einzigen, die grenzüberschreitend arbeiten können." Der aus Italien stammende EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani gratulierte der italienischen Polizei und erklärte: "Europa kämpft gegen die kriminellen 'Ndrangheta-Gruppen."

Die 'Ndrangheta hat ihren Ursprung im süditalienischen Kalabrien, aber die Organisation weitete ihre kriminellen Machenschaften längst auf ganz Italien und ins Ausland aus. In Italien lief sie den Mafiaorganisationen Cosa Nostra aus Sizilien und Camorra aus Neapel den Rang ab. Nach Angaben der italienischen Behörden ist die 'Ndrangheta die einzige Mafiagruppierung, die auf allen Kontinenten präsent ist.

Auch in Deutschland ist die 'Ndrangheta die stärkste Mafiaorganisation: Nach Zahlen des BKA von April dieses Jahres gehörten von insgesamt 585 bekannten Mafiamitgliedern in Deutschland 344 der kalabrischen Organisation an.

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