Forschungsergebnisse fünf Monate nach Öffnung präsentiert

Tausend Jahre alter Sarkophag in Mainz enthält Überreste von Bischof Erkanbald

Mainz (AFP) - Rund fünf Monate nach der Öffnung eines rund tausend Jahre alten Sarkophags in der Johanniskirche in Mainz haben die Untersuchungen ergeben, dass es sich bei dem darin Bestatteten um Bischof Erkanbald aus dem elften Jahrhundert handeln dürfte. "Wir gehen davon aus, dass er es ist", sagte Dekan Andreas Klodt am Donnerstag bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.
Ausgrebungsstätte in Mainzer Johanniskirche Bild anzeigen
Ausgrebungsstätte in Mainzer Johanniskirche © AFP

Für Klodt hat Mainz damit nicht nur einen, sondern gleich zwei Dome. "Das hebt die Stadt und ihre Geschichte heraus", sagte er. Es sei etwas Besonderes, dass die alte Kirche nicht abgerissen und an gleicher Stelle wieder aufgebaut, sondern auf der gegenüberliegenden Seite ein neuer Dom errichtet wurde.

Bei der Öffnung des Sarkophags im Juni waren Reste von Textilien und die Goldbordüre einer Mitra, des traditionellen Bischofhuts, zu erkennen gewesen. Die Identität des Bestatteten blieb zunächst offen. Es wurde aber vermutet, dass es sich um Erkanbald handeln könnte, der von 1011 bis zu seinem Tod 1021 Mainzer Erzbischof war.

Die Untersuchung von Kleidungs- und Schuhfragmenten zeige, dass in dem Sarkophag nur ein Erzbischof liegen könne, der um das Jahr 1000 bestattet worden sei, sagte nun der wissenschaftliche Forschungsleiter Guido Faccani. Es müsse sich um Erkanbald handeln, denn nur er habe sich in seiner Amtskirche bestatten lassen.

Sämtliche Vorgänger Erkanbalds ließen sich außerhalb von Mainz bestatten. Lediglich der direkte Vorgänger, Bischof Willigis, wurde in Mainz begraben - allerdings in einer anderen Kirche. Die Nachfolger Erkanbalds wurden im heutigen Dom Sankt Martin bestattet.

Das Bistum Mainz und das evangelische Dekanat Rheinhessen, zu dem die Kirche Sankt Johannis gehört, hatten sich im Vorfeld der Sarkophagöffnung Erkenntnisse zu ihrer Funktion im ersten Jahrtausend erhofft. Denn ob sie tatsächlich bis zur Einweihung des heutigen Doms im Jahr 1036 der Sitz der Mainzer Erzbischöfe war, ist in der Forschung umstritten.

Eine eindeutige Identifizierung des Bestatteten als Bischof Erkanbald könne diese Diskussion eindeutig klären, hieß es vom Dekanat. Der Sarkophag war bei Sanierungsarbeiten im Mittelschiff der Kirche entdeckt worden. Eine internationale Forschergruppe übernahm die Untersuchungen.

Über Bischof Erkanbald selbst ist wenig bekannt. Wann er geboren wurde, ist unklar. Er soll aus einer Grafenfamilie aus der Gegend um Braunschweig stammen. 997 wurde er Abt in Fulda - ein Machtzentrun der damaligen Zeit. Wenige Jahre später nahm er an der Krönung Heinrichs II. in Mainz teil. 1011 wurde Erkanbald Bischof in Mainz und erhielt zentrale Ämter an Heinrichs Hof.

Die Anthropologin Carola Berszin geht davon aus, dass Erkanbald zwischen 40 und 60 Jahre alt war, als er 1021 starb. Untersuchungen hätten ergeben, dass der Bestattete im Sarkophag etwa 1,83 Meter groß war. "Eine ordentliche Körperlänge für diese Zeit", konstatierte Berszin.

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