US-Präsident widerspricht Warnungen seiner eigenen Gesundheitsbehörden

Trump sieht nur "sehr geringes" Risiko für USA durch Coronavirus

Washington (AFP) - US-Präsident Donald Trump sieht derzeit nur ein "sehr geringes" Risiko für eine Coronavirus-Epidemie in den Vereinigten Staaten. Die USA seien "sehr, sehr" gut vorbereitet und hätten bereits wichtige Maßnahmen ergriffen, sagte Trump am Mittwoch im Weißen Haus. Kurz darauf gaben die US-Gesundheitsbehörden allerdings einen ersten Infektionsfall bekannt, bei dem unklar ist, wo und bei wem sich der Patient angesteckt hat.
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US-Präsident Donald Trump (r.) und Vizepräsident Mike Pence © AFP

Wegen der bereits ergriffenen Maßnahmen sei "das Risiko für US-Bürger sehr gering", sagte Trump bei einer Pressekonferenz. Er verwies unter anderem auf das Einreiseverbot für Nicht-US-Bürger, die in China waren. Trump erwägt nach eigenen Worten auch Einreisebeschränkungen für Südkorea und Italien, den größten Herd des Erregers in Europa. "Zur rechten Zeit machen wir es vielleicht, jetzt ist aber noch nicht der richtige Zeitpunkt", sagte Trump. Reisende aus Italien würden bereits "sehr, sehr" gründlich überprüft.

Trumps optimistische Einschätzung widerspricht allerdings den Warnungen der US-Gesundheitsbehörden. Die Gesundheitsbehörde CDC hatte am Dienstag gewarnt, letztlich werde sich das Virus auch in den USA ausbreiten. Sie rief Behörden, Unternehmen und Schulen auf, Pläne für einen Umgang mit dem Virus zu entwerfen. Städte müssten bei einem Ausbruch möglicherweise öffentliche Veranstaltungen untersagen.

In den USA wurden bislang 60 Coronavirus-Fälle gemeldet, 45 der Patienten hatten sich im Ausland infiziert. Am Mittwoch gab die Gesundheitsbehörde CDC einen Coronavirus-Fall in Kalifornien bekannt, bei dem der Infektionsweg bislang unklar ist. Der Erkrankte habe keine bekannten Auslandsreisen unternommen und auch keinen Kontakt zu anderen bekannten Infizierten gehabt, erklärte die Behörde.

Trump beauftragte am Mittwoch Vizepräsident Mike Pence, den Umgang mit dem Coronavirus zu koordinieren. Das Weiße Haus hat bereits 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) für den Kampf gegen das Virus bereitgestellt. Trump signalisierte Bereitschaft, falls nötig auch mehr Geld einzusetzen, wie es die oppositionellen Demokraten fordern.

Trump hat schon in der Vergangenheit wiederholt mit der Aussage für Stirnrunzeln gesorgt, das Problem werde sich im Frühjahr angesichts steigender Temperaturen von selbst erledigen - das Virus werde im April wegen der Hitze absterben. Bei seinem Indien-Besuch sagte Trump, die Lage in den USA sei "unter Kontrolle". Es gebe nur wenige Kranke, und denen gehe es bereits besser.

Bei seiner Pressekonferenz am Mittwoch gab Trump den Journalisten auch Hygiene-Tipps. Er wasche sich sowieso sehr häufig die Hände, "wie Sie wahrscheinlich gehört haben", sagte der US-Präsident. Den Journalisten empfahl Trump, sich ebenfalls möglichst oft die Hände zu waschen. "Bleiben Sie sauber", sagte der US-Präsident. "Sie müssen nicht unbedingt jeden Handlauf anfassen, wenn es nicht nötig ist", fügte er hinzu.

Auch für den Umgang mit Kranken hatte der Präsident Tipps. "Wenn jemand niest, versuche ich zu verschwinden", sagte Trump. Unlängst sei ihm ein Bekannter begegnet. "Er umarmt mich. Ich frage: 'Geht es dir gut?', er sagt: 'Nein, ich habe hohes Fieber und eine schlimme Grippe.' Und er umarmt und küsst mich", beschrieb Trump die Situation - und imitierte dabei seinen Bekannten. Angesichts der Ansteckungsgefahr habe er sich sofort verabschiedet, sagte Trump. "Ich habe gesagt: 'Entschuldige mich' und bin weggegangen, und habe begonnen, mir die Hände zu waschen."

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