Gericht beschuldigt Oktar unter anderem der sexuellen Nötigung

Türkischer TV-Prediger zu 1075 Jahren Haft verurteilt

Istanbul (AFP) - Ein muslimischer TV-Prediger, der sich bei seinen Auftritten mit spärlich bekleideten Frauen umgab, ist in der Türkei am Montag zu 1075 Jahren Haft verurteilt worden. Adnan Oktar wurden unter anderem sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Minderjährigen, Betrug und versuchte Spionage vorgeworfen, wie der Privatsender NTV berichtete. Der 64-Jährige war im Juni 2018 bei einer Razzia festgenommen worden.
Fernsehprediger Adnan Oktar bei seiner Festnahme Bild anzeigen
Fernsehprediger Adnan Oktar bei seiner Festnahme © AFP

Oktar, der in der Türkei besser unter seinem Pseudonym Harun Yahya bekannt ist, predigte bei seinen Sendungen auf dem Online-Kanal A9 konservative Ansichten. Dabei wurde er von stark geschminkten Frauen umringt, die er seine "Kätzchen" nannte.

Bei einer Anhörung im Dezember sagte Oktar dem Richter, dass er fast 1000 Freundinnen habe. "In meinem Herzen ist ein Übermaß an Liebe für Frauen. Liebe ist eine menschliche Eigenschaft. Sie ist eine Eigenschaft eines Muslims", sagte er.

Eine der Frauen sagte dem Gericht, dass der Prediger sie und andere wiederholt sexuell missbraucht habe. Mehrere der Frauen wurden demnach gezwungen, Anti-Baby-Pillen zu schlucken.

Auf die Frage nach rund 69.000 Verhütungspillen, die die Polizei in seinem Haus fand, sagte Oktar, sie seien zur Behandlung von Hautkrankheiten und Menstruationsunregelmäßigkeiten eingesetzt worden.

Wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, wurden in dem Fall insgesamt 236 Verdächtige angeklagt. Dutzende wurden demnach ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt, hauptsächlich wegen Sexual- und Finanzvergehen.

Bereits in den 1990er-Jahren hatte der Prediger als Anführer einer Sekte für Schlagzeilen gesorgt, die in mehrere Sexskandale verwickelt gewesen sein soll. Im Ausland machte sich Oktar mit der Veröffentlichung seines Buchs "Atlas der Schöpfung" einem Namen, in dem er die Evolutionstheorie nach Charles Darwin ablehnt.

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