Ausstoß sinkt zwar leicht - Konzentration aber auf neuem Rekordwert

UNO: Neuer weltweiter Treibhausgas-Rekord trotz Corona-Maßnahmen

Genf (AFP) - Die Treibhausgase in der Atmosphäre haben nach UN-Angaben trotz der weltweiten Corona-Maßnahmen einen neuen Rekordwert erreicht. Die Konzentration der Treibhausgase sei im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand gestiegen, erklärte am Montag die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf. Trotz der weltweiten Beschränkungen beispielsweise für die Industrie wegen der Corona-Pandemie habe die Konzentration auch in diesem Jahr weiter zugelegt.
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Brände in Australien © AFP

Die WMO legt alljährlich einen Bericht zu den weltweiten Treibhausgasen vor, die als Hauptursache des Klimawandels gelten. Er wertet nicht die Menge an freigesetzten Treibhausgasen, sondern die Menge, die in der Atmosphäre verbleibt. Ein Teil der Schadstoffe wird von den Meeren und der Biosphäre - also der Gesamtheit aller Ökosysteme auf der Erde - absorbiert.

Durch Lockdowns, Grenzschließungen, Flugverbote und andere Corona-Maßnahmen sei der Ausstoß an Treibhausgasen zwar vorübergehend gesunken, erklärte die UN-Organisation. Dies habe aber die Rekord-Konzentration in der weltweiten Atmosphäre nicht verringert. "Der Rückgang der Emissionen im Zusammenhang mit den Lockdowns ist nur ein kleines Zucken auf der langfristigen Kurve. Wir brauchen aber einen substantiellen Abfall der Kurve", erklärte WMO-Chef Petteri Taalas.

Vorläufigen Schätzungen zufolge seien die täglichen CO2-Emissionen während der Phase der stärksten Corona-Beschränkungen weltweit um bis zu 17 Prozent zurückgegangen, heißt es in dem Bericht. Im Jahresdurchschnitt werde voraussichtlich ein Rückgang zwischen 4,2 und 7,5 Prozent erreicht. Dennoch werde die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auch in diesem Jahr weiter auf neue Rekordwerte ansteigen, wenn auch mit leicht verringertem Tempo.

Kohlendioxid ist für etwa zwei Drittel der Erderwärmung verantwortlich. 2019 lag der CO2-Volumenanteil in der Atmosphäre laut WMO bei 410 Teilen pro Million (ppm), 2018 waren es noch 407,8 ppm.

2015 sei erstmals die Schwelle von 400 ppm geknackt worden, erinnerte Talaas. Er zeigte sich alarmiert, dass "wir nur vier Jahre später die 410 ppm überschritten haben". "Eine solche Steigerungsrate hat es in der Geschichte unserer Aufzeichnungen noch nie gegeben."

Kohlendioxid bleibe "jahrhundertelang in der Atmosphäre - und im Ozean noch länger", sagte Taalas. Das letzte Mal habe die Erde vor drei bis fünf Millionen Jahren eine vergleichbare CO2-Konzentration aufgewiesen. Damals sei die weltweite Durschnittstemperatur zwei bis drei Grad wärmer und der Meeresspiegel etwa zehn bis 20 Meter höher gewesen. "Aber es gab nicht 7,7 Milliarden Bewohner", sagte er.

Das zweithäufigste Treibhausgas in der Atmosphäre ist Methan. Es wird zum Teil in der Rinderzucht und auf Reisfeldern freigesetzt und ist für rund 16 Prozent der Erderwärmung verantwortlich. 2019 lag der Methangehalt mit 1,877 Teilen pro Milliarde (ppb) 260 Prozent über dem vorindustriellen Niveau.

Das dritte große Treibhausgas ist Distickstoffoxid, das hauptsächlich durch landwirtschaftliche Düngemittel freigesetzt wird. Die Distickstoffoxid-Konzentration lag laut WMO im vergangenen Jahr bei 332 ppb und damit 123 Prozent über dem vorindustriellen Niveau.

Der sogenannte Strahlungsantrieb, ein Maß für die Erwärmung der Atmosphäre, stieg laut dem WMO-Bericht seit 1990 wegen der hitzebindenden Gase um 45 Prozent. Je mehr sich die Atmosphäre erwärmt, desto stärker steigen die Temperaturen - die Meeresspiegel steigen an und Extremwetterlagen werden häufiger.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, nannte den Klimaschutz "eine der größten und drängendsten Herausforderungen unserer Zeit". Der Bundesregierung sei bewusst, "dass wir als großes Industrieland einen Anteil haben an den weltweiten CO2-Emissionen" und dass dies auch Verpflichtungen mit sich bringe, erklärte Seibert am Montag in Berlin. Deshalb stehe die Bundesregierung auch "mit starkem Einsatz" zum Pariser Klimaabkommen.

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