Anwälte halten Beweise für unzureichend

Verteidigung fordert in Prozess um Messerangriff von Chemnitz Freispruch

Dresden (AFP) - Im Prozess um den tödlichen Messerangriff von Chemnitz hat die Verteidigung Freispruch für den Angeklagten gefordert. Die Beweisaufnahme habe "nicht ergeben", dass ihr Mandant Daniel H. getötet und einen weiteren Mann verletzt habe, sagte Verteidigerin Ricarda Lang am Donnerstag in Dresden. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten Alaa S. sei deshalb umgehend aufzuheben.
Der Angeklagte Alaa S. an einem früheren Prozesstag Bild anzeigen
Der Angeklagte Alaa S. an einem früheren Prozesstag © AFP

Nach Auffassung der Verteidigung gibt es in dem Verfahren viele Ungereimtheiten und Widersprüche in den Zeugenaussagen. Die Zeugenaussagen seien weitgehend "untauglich", es gebe auch keine DNA-Spuren, die den Verdacht gegen S. stützten. Die Verteidigung sieht den Prozess auch von politischer Seite unter Druck. "Man brauche ja irgendeinen Schuldigen, damit in Chemnitz Ruhe herrscht", sagte Lang.

Zuvor hatten die Vertreter der Nebenklage elf Jahre Freiheitsstrafe für Alaa S. gefordert. Die Staatsanwaltschaft hatte bereit am vorhergehenden Verhandlungstag plädiert und zehn Jahre Haft wegen gemeinschaftlichen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gefordert.

Der Syrer Alaa S. soll der Anklage zufolge Ende August vergangenen Jahres am Rande des Chemnitzer Stadtfests gemeinsam mit einem flüchtigen Tatverdächtigen den 35-jährigen Daniel H. erstochen haben. Die Gewalttat löste in Chemnitz eine Reihe ausländerfeindlicher Demonstrationen und teils gewaltsame Ausschreitungen von Rechtsextremen aus, die bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Der vor dem Landgericht Chemnitz geführte Prozess findet aus Sicherheitsgründen im Oberlandesgericht Dresden statt.

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