Berlin (np) - Joachim Gauck wird voraussichtlich neuer Bundespräsident. Doch wer ist eigentlich der Mann, über den in den letzten Tagen so viel diskutiert wurde. Wir haben eine kurze Biografie seines Lebens zusammengestellt.
Joachim Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock geboren. Sein Vater war Kapitän, die Mutter gelernte Bürofachfrau.
Im Juni 1951 wurde Gaucks Vater von zwei Männern unter dem Vorwand es habe einen schweren Unfall auf der Werft gegeben, mitgenommen. Er blieb anschließend verschwunden. „Das Schicksal unseres Vaters wurde zur Erziehungskeule. Die Pflicht zur unbedingten Loyalität gegenüber der Familie schloss auch die kleinste Form der Fraternisierung mit dem System aus.", so Gauck später in seinen Erinnerungen. Erst 1953 erfuhr die Familie, dass der Vater in einem sibirischen Lager arbeitete. Infolge der Moskauer Verhandlungen kehrte er im Oktober 1955 zurück.
Von 1959 bis 1965 studierte Gauck in Rostock Theologie.
Ab 1967 arbeitete er für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs als Pastor im ländlichen und religiös geprägten Lüssow, ab 1971 in Rostock-Evershagen. Seit 1974 wurde Gauck von Mitarbeitern der Staatssicherheit beobachtet.
Die Revolution von 1989 empfand Gauck als ein für ihn prägendes Erlebnis. Als der Bürgerprotest im Oktober 1989 auch in seine Region überschwappte, hielt Gauck in Rostock eine Rede, in der er unter anderem zum Bleiben in der DDR aufrief. Seit Oktober 1989 war Gauck vom täglichen Kirchendienst freigestellt. Innerhalb des Neuen Forums (NF) setzte er sich für eine staatliche Einheit Deutschlands ein.
Im März 1990 wurde er als Abgeordneter in die Volkskammer gewählt und Leiter des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). In dem gegründeten Ausschuss wurde das „Stasi-Unterlagen-Gesetz" vorbereitet. Gauck selbst wurde von der Volkskammer zum Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des MfS gewählt. Er war nun „Sonderbeauftragter für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR". Nach dem Beitritt der DDR zur BRD wurde er als „Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes" in dieser Funktion bestätigt. Die Behörde wurde rasch „Gauck-Behörde" genannt.
Am 21. September 1995 wurde Joachim Gauck vom Deutschen Bundestag für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren bestätigt. Da im Gesetz verankert war, dass man nicht länger als zwei Amtsperioden den Posten inne haben kann, endete seine Tätigkeit am 10. Oktober 2000. Marianne Birthler trat die Nachfolge Gaucks an.
Als am 31. Mai 2010 Bundespräsident Horst Köhler überraschend seinen Rücktritt ankündigte, nominierten SPD und "Bündnis 90 / Die Grünen" den parteilosen Joachim Gauck als Kandidaten. Bei der Wahl am 30. Juni 2010 unterlag Gauck dem von der Regierung gestellten Kandidaten Christian Wulff.
1 Kommentar