Seismometer der "InSight"-Mission registrierte am 6. April leichte Erschütterung

Wissenschaftler zeichnen womöglich erstmals ein Marsbeben auf

Göttingen (AFP) - Wissenschaftler haben womöglich erstmals ein Beben auf unserem Nachbarplaneten Mars gemessen. Im Zuge der Mars-Mission "InSight" zeichneten Forscher eine Erschütterung an der Oberfläche des Roten Planeten auf, wie die französische Raumfahrtagentur Cnes mitteilte. Das an dem Projekt beteiligte Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) erklärte am Mittwoch, die am 6. April aufgezeichnete Erschütterung auf dem Mars sei deutlich schwächer gewesen als typische Beben auf der Erde.
Der Mars auf einer Aufnahme von 2016 Bild anzeigen
Der Mars auf einer Aufnahme von 2016 © AFP

Die Messungen des Marsbeben-Observatoriums Seis (Seismic Experiment for Interior Structure) könnten auf ein leichtes Marsbeben hindeuten, erklärte die Cnes am Dienstagabend. Zu dem Seis-Wissenschaftlerteam zählen auch Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen.

Die Nasa-Forschungsplattform "InSight" hatte am 26. November nach einer fast siebenmonatigen Reise durch den Weltraum planmäßig auf dem Mars aufgesetzt. In der Folge setzte der Roboterarm von "InSight" das unter Cnes-Federführung gebaute Seis-Instrument auf der Mars-Oberfläche ab, ebenso den in Deutschland gebauten Marsmaulwurf HP3.

Das Hauptziel des Seis-Teams besteht laut MPS darin, aus der Art der Ausbreitung seismischer Wellen auf dem Mars auf dessen inneren Aufbau zu schließen. Keiner Mars-Mission zuvor gelang es demnach, aussagekräftige seismische Daten zu sammeln.

Nach Angaben des MPS zeichnete Seis insgesamt vier Erschütterungen auf - am 14. März sowie am 6., 10. und 11. April. Während die Ursache des ersten Signals und der beiden letzten noch unklar ist, spricht demnach viel dafür, dass das Ereignis vom 6. April seinen Ursprung im Innern des Planeten hat.

"Das Marsbeben war dennoch so schwach, dass man es auf der Erde nicht bemerkt hätte", erklärte MPS-Direktor Ulrich Christensen, der dem Seis-Team angehört. Auf der Erde sorgen die Meeresbrandung, menschliche Aktivitäten und das Wetter für ein ständiges seismisches Hintergrundrauschen. Dieses hätte ein Beben von der Größenordnung der jetzt registrierten Marserschütterung völlig überdeckt.

"Wir haben seit Monaten auf unser erstes Marsbeben gewartet", sagte Philippe Lognonné vom Pariser Institut de Physique du Globe (Institut für Erdphysik). "Es ist großartig, endlich ein Zeichen zu haben, dass es auf dem Mars noch seismische Aktivität gibt."

Der Nasa-Wissenschaftler Bruce Banerdt sagte, die aufgezeichnete Erschütterung bedeute die Geburt der "Mars-Seismologie". Zunächst müssen die Wissenschaftler allerdings noch herausfinden, ob die gemessene Erschütterung tatsächlich aus dem Inneren des Mars kam und nicht beispielsweise durch Wind verursacht wurde.

Im Zuge der "InSight"-Mission sollen Entwicklung, Struktur und physikalische Eigenschaften von Kruste, Mantel und Kern unseres Nachbarplaneten erforscht werden. Dazu sollen auch die Daten des deutschen Marsmaulwurfs HP3 beitragen, der sich Ende Februar erstmals in den Boden des Roten Planeten hämmerte. Allerdings stieß der Roboter bei seiner Wühlarbeit im Marsboden nach nur rund 30 Zentimetern auf Widerstand.

Planetenforscher und Ingenieure des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) prüfen derzeit, warum der Einsatz des Marsmaulwurfs ins Stocken geriet. Nach den bisherigen Planungen soll sich HP3 bis zu fünf Meter tief in die Mars-Oberfläche vorarbeiten, um Temperatur und Wärmeleitfähigkeit des Untergrundmaterials zu messen.

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