Tote bei Protest gegen herrschenden Militärrat

Ägyptens Militär erwägt Machtübergabe Ende Mai

Kairo (AFP) - Nach schweren Ausschreitungen in Kairo zieht der Militärrat in Ägypten eine Übergabe der Macht an eine zivile Regierung ab Ende Mai in Betracht. Wenn nach dem ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl ein Sieger feststehe, könne die Machtübergabe ab dem 24. Mai erfolgen, sagte Generalstabschef Sami Anan. Bei den Auseinandersetzungen in der Hauptstadt wurden laut Ärzten 20 Menschen getötet und dutzende verletzt.
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Unruhen auf den Straßen Kairos © AFP

Die jüngsten schweren Auseinandersetzungen entwickelten sich im Zusammenhang von Salafisten gegen den Militärrat. Rivalisierende Gruppen lieferten sich in der Nähe des Verteidigungsministeriums blutige Schlägereien. Bereits blutende Menschen wurden mit Eisenstangen geschlagen. Die Urheber der Gewalt konnten zunächst nicht ermittelt werden. Die Armee ordnete einen Militäreinsatz an, um die verfeindeten Gruppen auseinanderzutreiben.

Die Armee hatte bisher versprochen, die Macht nach der Präsidentenwahl Ende Juni abzugeben. Für den 16. und 17. Juni ist eine Stichwahl vorgesehen, falls sich keiner der 13 Kandidaten im ersten Durchgang durchsetzt. Der im Februar 2011 durch einen Volksaufstand gestürzte ägyptische Machthaber Husni Mubarak hatte bei seinem Abtritt die Macht dem Militärrat übertragen.

Die Angaben zu den 20 Getöteten stammten von Ärzten, die vor Ort im Einsatz waren. Das Gesundheitsministerium gab die Zahl der Toten mit neun an. Zu den Opfern der Gewaltwelle zählten zahlreiche Anhänger des von der Präsidentschaftswahl ausgeschlossenen Salafisten Hasem Abu Ismail. Sie demonstrieren schon seit Tagen im Zentrum von Kairo für einen Machtverzicht des Militärrats.

Wiederholt gab es Hinweise darauf, dass das Militär selbst Schlägertrupps auf Demonstranten angesetzt haben könnte. Anhänger beider Seiten warfen bei den Zusammenstößen am Mittwoch Molotowcocktails und Steine. Bereits am Sonntag waren bei Ausschreitungen ein Menschen getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden.

Abu Ismail wurde von der Wahl ausgeschlossen, weil seine verstorbene Mutter angeblich die US-Staatsbürgerschaft besessen hatte. Kandidaten, ihre Partner und Eltern müssen die ägyptische Nationalität haben, um zur Wahl zugelassen zu werden.

Wegen der neuen Gewalt kündigten vier Präsidentschaftskandidaten eine vorübergehende Unterbrechung ihres Wahlkampfs an. Der Wahlkampf hatte offiziell am Montag begonnen.

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