Paris gibt nach 170 Jahren Schädel von algerischen Unabhängigkeitskämpfern zurück

Algerien fordert Entschuldigung von Ex-Kolonialmacht Frankreich

Algier (AFP) - Der algerische Präsident hat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich zu einer Entschuldigung für die Besetzung Algeriens aufgefordert. "Wir haben schon halbe Entschuldigungen bekommen. Der nächste Schritt ist notwendig, wir warten auf ihn", sagte Abdelmadjid Tebboune am Samstag dem Sender France 24. Frankreich hatte zuvor nach 170 Jahren die sterblichen Überreste von 24 algerischen Unabhängigkeitskämpfern an Algerien überstellt.
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Frankreich gibt Überreste von 24 algerischen Unabhängigkeitskämpfern zurück © AFP

Der französische Staatschef Emmanuel Macron sei "ein ehrlicher Mann, der die Situation verbessern" wolle, daher glaube er an Fortschritte bei der Befriedungspolitik, sagte Tebboune. Eine Entschuldigung Frankreichs würde es "ermöglichen, die Spannungen abzukühlen und eine ruhigere Atmosphäre für wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu schaffen", insbesondere für die mehr als sechs Millionen Algerier, die in Frankreich leben.

Algerien hatte im Juli 1962 nach 132 Jahren unter französischer Kolonialherrschaft seine Unabhängigkeit erklärt. Vorausgegangen war ein achtjähriger Krieg mit der französischen Kolonialmacht, in dem 1,5 Millionen Algerier starben.

Am Freitag waren in Algerien die Schädel von 24 algerischen Unabhängigkeitskämpfern eingetroffen, die zu Beginn der französischen Kolonialzeit im 19. Jahrhundert enthauptet worden waren. Frankreich hatte sich bereit erklärt, die Überreste der Widerstandskämpfer nach Algerien zu schicken, was als Schritt der Annäherung zwischen den beiden Ländern gesehen wurde.

Die Rückgabe sei eine Geste der "Freundschaft" und Teil der Bemühungen, "die Erinnerungen des französischen und des algerischen Volkes in Einklang zu bringen", teilte der französische Elysée-Palast in Paris der Nachrichtenagentur AFP mit.

Die Schädel, die einst von französischen Offizieren als Kriegstrophäen angesehen wurden, waren seit dem 19. Jahrhundert im Pariser Musée de l'Homme, einem Museum für Vorgeschichte und Anthropologie, aufbewahrt worden. Auch die Überreste des bekannten Revolutionsführers Scheich Bouziane waren darunter, der 1849 von den Franzosen gefangen genommen, erschossen und enthauptet wurde. 2018 hatte Algerien offiziell um die Rückgabe der Gebeine sowie von Archiven aus der Kolonialzeit gebeten.

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wurden die Überreste zunächst im Kulturpalast aufgebahrt. Trotz der drückenden Hitze bildete sich vor dem Palast eine lange Schlange von Algeriern, die den Toten die letzte Ehre erweisen wollten. Unter ihnen war auch der 85-jährige Ali Zelmat: "Ich bin als Kämpfer, als Invalide des Befreiungskriegs, als Bürger, der sein Land liebt, gekommen."

Am Sonntag, dem 58. Jahrestag der Erklärung der Unabhängigkeit, wurden die Überreste in einer feierlichen Zeremonie, an der auch Präsident Tebboune teilnahm, beigesetzt. Die Widerstandskämpfer fanden auf dem El-Alia-Friedhof im Bereich für die "Märtyrer der algerischen Revolution" in der Hauptstadt Algier ihre letzte Ruhe.

Weltweit ist derzeit eine Debatte um Rassismus und die Kolonialvergangenheit verschiedener Länder im Gange. Ausgelöst wurde sie durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz und die anschließenden Anti-Rassismus-Proteste in den USA.

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