Arzneiverordnungs-Report sieht hohes Einsparpotenzial

Ausgaben für Medikamente 2010 nur noch moderat gestiegen

Berlin (AFP) - Der Anstieg der Arzneimittelausgaben hat sich 2010 deutlich abgeschwächt. Die gesetzlichen Kassen gaben im vergangenen Jahr ein Prozent mehr für Medikamente aus als im Vorjahr, geht aus dem Arzneiverordnungs-Report 2011 hervor. 2009 hatte das Ausgabenplus noch 4,8 Prozent betragen. Gleichwohl sehen die Herausgeber des Reports aktuell ein Einsparpotential von 4,7 Milliarden Euro auf dem deutschen Arzneimittelmarkt. Voraussetzung sei, dass konsequent preiswerte Nachahmerprodukte verordnet und auf teure patentgeschützte Präparate sowie Arznei mit umstrittener Wirksamkeit verzichtet werde.
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Ausgaben für Medikamente 2010 nur noch moderat gestiegen © AFP

Die Arzneimittelausgaben ohne Impfstoffkosten stiegen dem Report zufolge im vergangenen Jahr um 330 Millionen auf gut 32 Milliarden Euro. Kostensenkungen wurden unter anderem durch gesetzliche Maßnahmen, erneute Preisrückgänge bei den Generika und höhere Gesamteinnahmen der Kassen aus Rabattverträgen mit pharmazeutischen Unternehmen erzielt, wie die Herausgeber des Reports, der Pharmakologe Ulrich Schwabe und der Chef der AOK Nordwest, Dieter Paffrath, erklärten. Zugleich plädierten sie für eine verbesserte Transparenz im Arzneimittelmarkt und effektive Instrumente zur Preisregulierung von Arzneimitteln.

Scharfe Kritik an dem Report übte der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller. Der deutsche Arzneimittelmarkt sei "durch eine Vielzahl von Reform-, Steuerungs- und Kostendämpfungsgesetzen und Verordnungen vollkommen überreguliert", erklärte der Verband in Bonn. "In dieser Situation taugt der mit dem alten, aber immer noch falschen Prinzip der nahezu alleinigen Schuldzuweisung an die Arzneimittelindustrie operierende Arzneiverordnungs-Report nicht zu einem sinnvollen Instrument zur Darstellung der Entwicklungen auf dem Arzneimittelmarkt." Der Report sei "heute und in Zukunft ein verzichtbares Relikt".

Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) verwies darauf, dass allen aktuellen Untersuchungen zufolge die Lage bei den Ausgaben im Gesundheitsssystem "entspannt" sei. "Die Krankenkassen verfügen über Milliardenüberschüsse", erklärte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer in Berlin. "Auch die Arzneimittelausgaben sind stabil." Dies gebe allen Akteuren "die Chance, eine konstruktive Debatte darüber zu führen, wie Innovationen und eine nachhaltige Finanzierung in Einklang zu bringen sind".

Die Daten des aktuellen Arzneiverordnungs-Reports basieren auf der Auswertung von 791 Millionen Verordnungen für gesetzlich versicherte Patienten, die 2010 von mehr als 140.000 Vertragsärzten ausgestellt wurden.

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