Mohsen Fachrisadeh in Teheran beigesetzt

Bei Anschlag auf iranischen Atomforscher offenbar ferngesteuerte Waffe eingesetzt

Teheran (AFP) - Bei dem tödlichen Attentat auf den iranischen Atomforscher Mohsen Fachrisadeh ist nach Angaben Teherans offenbar eine ferngesteuerte Waffe eingesetzt worden. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete am Montag ohne Angabe von Quellen, ein auf einem Pick-up montiertes "ferngesteuertes Maschinengewehr" habe die Schüsse abgegeben. Ein Vertreter des Obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran beschuldigte Israels Geheimdienst sowie im Exil lebende Oppositionelle. Fachrisadeh wurde mit hohen Ehren beigesetzt.

Iranischer Atomforscher in Teheran beigesetzt Bild anzeigen Iranischer Atomforscher in Teheran beigesetzt © AFP

Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Schamchani, sprach in einem von Fars und dem Staatsfernsehen verbreiteten Interview von einer "völlig neuen, professionellen und spezialisierten" Aktion zur Tötung des Forschers. Es sei "elektronische Ausrüstung" eingesetzt worden und es sei "niemand am Tatort anwesend" gewesen. Schamchani warf der iranischen Exil-Oppositionsbewegung Volksmudschahedin vor, gemeinsam mit dem israelischen Geheimdienst Mossad an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein.

Fachrisadeh war am Freitag bei einem gezielten Anschlag in der Nähe von Teheran getötet worden. Der iranische Präsident Hassan Ruhani beschuldigte Israel und die USA, hinter der Tat zu stecken. Der Vorfall löste international Angst vor einer Gewalt-Eskalation im Nahen Osten aus.

Iranische Sicherheitskräfte hätten bereits vor 20 Jahren "die Möglichkeit eines Angriffs" auf Fachrisadeh vorhergesagt, erklärte Schamchani. Wegen der "Häufigkeit solcher Nachrichten in den vergangenen 20 Jahren" sei der Gefahr leider nicht mit dem nötigen Ernst begegnet worden.

Fachrisadeh wurde am Montag mit einer live im Staatsfernsehen übertragenen Trauerfeier im Verteidigungsministerium die letzte Ehre erwiesen. Mehrere hochrangige iranische Generäle und Regierungsvertreter, darunter Verteidigungsminister Amir Hatami und der Chef der Revolutionsgarden, Hossein Salami, nahmen an der Zeremonie teil.

"Wenn unsere Feinde nicht dieses abscheuliche Verbrechen begangen und das Blut unseres lieben Märtyrers vergossen hätten, wäre er vielleicht unbekannt geblieben", sagte Hatami in seiner Trauerrede über den ermordeten Wissenschaftler. Nun werde er eine Inspiration sein für "alle, die sich auf den Weg des Kampfes machen".

Der 59-jährige Fachrisadeh war ein Stellvertreter Hatamis und Leiter der Forschungs- und Innovationsabteilung des iranischen Verteidigungsministeriums. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nannte den Wissenschaftler einst den Vater des iranischen Atomprogramms. Hatami kündigte an, die Regierung werde das Budget der Forschungs- und Innovationsabteilung verdoppeln, um Fachrisadehs Weg "energisch" fortzusetzen.

Fachrisadeh wurde in Imamsadeh Saleh beigesetzt, einem schiitischen Heiligtum im Norden Teherans, in dem bereits zwei 2010 und 2011 ermordete Atomwissenschaftler bestattet wurden.

Iranische Ultrakonservative fordern nach dem Attentat eine harte Reaktion Teherans. Das iranische Parlament verlangte am Sonntag einen Stopp der internationalen Inspektionen iranischer Atomanlagen. Dies könnte fatale Auswirkungen auf das 2015 vereinbarte internationale Atomabkommen haben.

Mit dem Abkommen über das iranische Atomprogramm sollte sichergestellt werden, dass der Iran nicht die Fähigkeiten zum Bau einer Atombombe erlangt. Unter US-Präsident Donald Trump traten die USA jedoch 2018 einseitig aus dem Abkommen aus und übten eine Politik des "maximalen Drucks" aus. Unter dem neugewählten Präsidenten Joe Biden hofft der Iran wieder auf Annäherung. Allerdings wurden nach dem Anschlag Forderungen laut, möglichen Gesprächen mit den USA eine Absage zu erteilen.

In den vergangenen Jahren sind bereits mehrere Atomwissenschaftler im Iran getötet worden. Die Islamische Republik machte Israel für diese Tötungen verantwortlich. Israel vermutet hinter Irans Atomprogramm seit jeher den Versuch der militärischen Aufrüstung. Teheran beharrt darauf, dass sein Programm allein friedlichen Zwecken diene.