Prognosen deuten auf absolute Mehrheit für Konservative hin

Bei britischer Wahl zeichnet sich Triumph für Johnson ab

London (AFP) - Bei der Parlamentswahl in Großbritannien zeichnet sich ein klarer Sieg von Premierminister Boris Johnson ab. Nachwahlbefragungen des Instituts Ipsos Mori vom Donnerstagabend deuteten darauf hin, dass die konservativen Tories die absolute Mehrheit erobert haben könnten. Die Partei errang demnach 368 der insgesamt 650 Parlamentssitze. Die oppositionelle Labour-Partei würde dieser Prognose zufolge bei nur 191 Sitzen landen.
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Boris Johnson im Wahlkampf © AFP

Eine absolute Mehrheit für Johnsons Tories würde es dem Regierungschef ermöglichen, Großbritannien wie von ihm geplant Ende Januar aus der EU hinauszuführen. Den Nachwahlbefragungen zufolge verbesserten sich die Tories im Vergleich zur Wahl von 2017 um 51 Sitze. Die Labour-Partei verlor demnach dagegen 71 Sitze. Dem britischen Pfund verlieh die Prognose deutlichen Auftrieb.

Die pro-europäischen Liberaldemokraten kommen gemäß den Nachwahlbefragungen, die Ipsos Mori im Auftrag der Sender BBC, ITV News und Sky News erhob, auf 13 Sitze. Die Schottische Nationalpartei, die im Wahlkampf für ein zweites Brexit-Referendum sowie ein zweites Unabhängigkeitsreferendum eintrat, landet demnach bei 55 Sitzen, die Grünen bei einem Sitz. Die Brexit-Partei von Nigel Farage geht den Erhebungen zufolge leer aus.

Die Stimmenauszählung dürfte sich über die Nacht zum Freitag hinziehen. Sollte sich Johnsons Wahlsieg bewahrheiten, wird er voraussichtlich schon am Freitag von Königin Elizabeth II. im Amt des Premierministers bestätigt.

Johnson, der im Juli von seiner Vorgängerin Theresa May eine Minderheitsregierung übernommen hatte, hatte vorgezogene Neuwahlen herbeigeführt, um sich im Streit um den EU-Austritt eine Mehrheit im Parlament zu verschaffen. Seine Partei trat im Wahlkampf mit dem Slogan "Get Brexit Done" (Vollzieht den Brexit) an.

Sollte Johnson die Mehrheit bekommen, will er noch vor Weihnachten seinen Austritts-Deal mit der EU durchs Parlament bringen und im neuen Jahr mit den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen beginnen. Derzeit ist der - mehrfach verschobene - Brexit für den 31. Januar geplant.

Im Wahlkampf warb Johnson zudem für eine Aufstockung der Polizeikräfte, mehr Geld für Schulen und Krankenhäuser sowie Investitionen in die Infrastruktur.

Die Opposition um Labour-Parteichef Jeremy Corbyn hatte hingegen eine erneute Verschiebung des EU-Austritts versprochen: Demnach sollte zunächst eine neue Vereinbarung mit Brüssel verhandelt werden. Zudem versprach Corbyn ein zweites Referendum, in dem die Bevölkerung zwischen dem neuen Abkommen und einem Verbleib in der EU entscheiden solle. Labour hatte im Wahlkampf überdies eine Verstaatlichung von Schlüsselindustrien versprochen und massive Investitionen in erneuerbare Energien angekündigt.

Die sich abzeichnende klare Niederlage dürfte bei der Labour-Partei eine Debatte über die Zukunft ihres Parteivorsitzenden auslösen. Seit 2010 hat die Partei keine Wahl mehr gewonnen, Corbyn gilt als der unbeliebteste Parteichef seit Jahrzehnten.

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