Spahn besorgt über steigende Infektionszahlen

Bericht: Kliniken halten weniger Corona-Betten bereit

Berlin (AFP) - Die deutschen Krankenhäuser halten einem Bericht zufolge trotz steigender Infektionszahlen immer weniger Betten auf ihren Intensivstationen für Corona-Patienten frei. So hält Baden-Württemberg statt 35 Prozent nur noch zehn Prozent der Intensivbetten bereit, lediglich Rheinland-Pfalz bleibt bei einem Anteil von 20 Prozent, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) berichtete. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich besorgt über den jüngsten Anstieg der Corona-Infektionszahlen.
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) © AFP

Die Landesregierung in Baden-Württemberg folgt dem Bericht zufolge mit der Reduzierung der Corona-Intensivbetten der Entwicklung in anderen Bundesländern. In Berlin seien bereits seit Juni nur noch zehn Prozent der Betten für Covid-Patienten reserviert, Niedersachsen sei Mitte Juli gefolgt. In Bayern und Brandenburg müssten die Krankenhäuser seit dem Sommer gar keine Intensivbetten mehr freihalten, Hamburg habe die Quote im August abgeschafft.

Anfang September kippte laut "FAS" auch Sachsen-Anhalt die Regelung ganz. Allein in Rheinland-Pfalz gelte seit dem Frühjahr unverändert der 20-Prozent-Anteil. Es sei nicht geplant, daran etwas zu ändern, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Mainz.

Der Präsident der Bundesärztekammer bezeichnete einen Zehn-Prozent-Anteil als richtig: "Trotz leicht angestiegener Infektionszahlen gab es keine erhebliche Belastung der Intensivstationen."

Gesundheitsminister Spahn schrieb angesichts steigender Infektionszahlen im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Aktuell kann unser Gesundheitssystem gut mit der Situation umgehen, aber die Dynamik in ganz Europa besorgt." Das Robert-Koch-Institut hatte am Samstag eine Zahl von fast 2300 Neuinfektionen gemeldet, der höchste Tageswert seit April.

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, zeigte sich beunruhigt. Sie sei zunehmend besorgt, "dass sich auch in Deutschland wieder mehr ältere Menschen infizieren und dann auch die Hospitalisierungsrate und die Todesfälle wieder zunehmen", erklärte Dittmar.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt appellierte an die Solidarität der Deutschen. "Ein neuer Lockdown lässt sich vermeiden, wenn alle vorsichtig bleiben und die AHA-Regeln konsequent einhalten", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Dafür braucht es weiterhin eine große Solidarität."

Spahn will laut einem Medienbericht die Verteilung künftiger Corona-Impfstoffe in Deutschland bis Ende Oktober regeln. Dazu sollten Ärzte, Ethikexperten und Sozialwissenschaftler Grundsätze erarbeiten, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Regierungskreise.

Von der am Freitag im Bundestag beschlossenen Corona-Prämie für Pflegekräfte in den Kliniken werden nach Ansicht von Mitarbeitervertretungen zu viele Beschäftigte nicht profitieren. Betriebs- und Personalräte wollen deshalb nicht wie gesetzlich vorgesehen an der Verteilung der Gelder mitwirken, wie es in einem am Sonntag von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi veröffentlichten Schreiben an Spahn heißt.

Die Corona-Prämie solle nur bis zu 100.000 von insgesamt 440.000 Pflegekräften im Krankenhaus zugutekommen. Beschäftigte in den Laboren, in der Reinigung und vielen anderen Bereichen, die bei der Eindämmung der Pandemie ebenfalls eine zentrale Rolle spielen, sollten leer ausgehen.

Kritik an der Prämie kam auch von den Grünen. "Leider hat die Bundesregierung zu viel Zeit verstreichen lassen, um ein glaubhaftes Zeichen der Wertschätzung an die Menschen in der Pflege und im Gesundheitswesen zu senden, das über Applaus von Balkonen hinausgeht", sagte die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, der "Augsburger Allgemeinen". Sie könne dieses "Klein-Klein" nicht nachvollziehen.

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