Mann soll Bombe zur Sprengung von Pan-Am-Maschine gebaut haben

Berichte: US-Justiz will Libyer wegen Lockerbie-Anschlags vor Gericht bringen

Washington (AFP) - Knapp 32 Jahre nach dem Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug über der schottischen Stadt Lockerbie will die US-Justiz offenbar einen mutmaßlichen libyschen Mittäter vor Gericht bringen. US-Medien berichteten am Mittwoch, Staatsanwälte wollten bald eine Anklage gegen den früheren Geheimagenten Abu Agila Mohammed Masud öffentlich machen, der damals die Bombe gebaut haben soll. Das FBI bestätigte dies zunächst nicht.
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Polizisten in Lockerbie © AFP

Laut dem "Wall Street Journal" befindet sich Masud im Gewahrsam der libyschen Behörden. Demnach wollen die USA eine Auslieferung erreichen. Die "New York Times" dagegen berichtete, Masuds Aufenthaltsort sei unbekannt; demnach befand er sich lediglich zu einem früheren Zeitpunkt in libyscher Haft.

Die Boeing 747 der US-Fluggesellschaft Pan Am war am 21. Dezember 1988 über Lockerbie explodiert. Bei dem Anschlag wurden 270 Menschen getötet, unter ihnen 190 US-Bürger. Libyen übernahm 2003 die Verantwortung für den Anschlag und zahlte 2,7 Milliarden Dollar (etwa 2,3 Milliarden Euro) Entschädigung an die Hinterbliebenen der Opfer.

Die bevorstehende Anklage gegen Masud beruht nach Informationen des "Wall Street Journal" auf dessen Aussagen gegenüber Ermittlern in Libyen im Jahr 2012 sowie auf seinen Reisedaten.

Die US-Bundespolizei FBI bestätigte die Berichte zunächst nicht. Sie versicherte aber, dass die Ermittler seit 32 Jahren daran arbeiteten, "diesen schrecklichen Terrorangriff" aufzuklären und die Täter zu identifizieren.

Wegen des Anschlags wurden bereits zwei Libyer vor Gericht gestellt. Einer von wurde freigesprochen. Der Angeklagte Abdelbaset Mohamed al-Megrahi wurde 2001 zu einer langen Haftstrafe verurteilt. 2009 kam er aber aus gesundheitlichen Gründen frei und kehrte nach Libyen zurück. Bis zu seinem Tod 2012 beteuerte er seine Unschuld.

In Schottland begann im November ein Berufungsprozess gegen al-Megrahis Verurteilung. Seine Familie hatte im März vor dem schottischen Ausschuss zur Überprüfung von Gerichtsurteilen (SCCRC) erreicht, dass der Fall zur Überprüfung an ein Strafgericht in Edinburgh verwiesen wurde. Zweifel an den Beweisen gegen al-Megrahi seien nicht ausgeräumt worden, hieß es damals zur Begründung.

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