Áñez schließt erneute Präsidentschaftskandidatur ihres Vorgängers aus

Boliviens Übergangspräsidentin lädt Morales' Partei zu Gesprächen ein

La Paz (AFP) - Angesichts der anhaltenden Proteste in Bolivien hat Übergangspräsidentin Jeanine Áñez Verhandlungen mit der Partei ihres Vorgängers Evo Morales aufgenommen. Die Gespräche sollen dazu beitragen, "dem Land Frieden zu bringen", sagte Áñez' Kabinettschef Jerjes Justiniano am Donnerstag. Die Abgeordneten der sozialistischen Partei MAS hatten die Senatssitzung, in der sich die 52-Jährige zur Übergangspräsidentin ernannt hatte, boykottiert.
Jeanine Añez erklärt sich zur Übergangspräsidentin Bild anzeigen
Jeanine Añez erklärt sich zur Übergangspräsidentin © AFP

Áñez schloss indes eine erneute Präsidentschaftskandidatur ihres Vorgängers Morales aus. Die Verfassung sehe vor, dass ein Staatschef nur zwei Amtszeiten in Folge im Amt bleiben kann. Morales' gescheiterter Versuch, sich ein viertes Mandat zu sichern, sei die Ursache der politischen Unruhen in Bolivien, sagte Áñez.

In Bolivien war ein Machtvakuum entstanden, nachdem der unter Druck geratene Morales nach wochenlangen Protesten am Sonntag zurückgetreten war. Áñez wurde schließlich am Dienstag als Interimspräsidentin vereidigt. Die USA, Guatemala und Kolumbien stellten sich hinter die Übergangspräsidentin. Auch Russland erkannte sie offiziell an. Das Außenministerium in Moskau betonte am Donnerstag aber zugleich, dass es die Absetzung Morales' als einen Staatsstreich betrachte.

Die Anhänger des Ex-Präsidenten setzten derweil ihre Proteste gegen dessen Entmachtung fort. Tausende Demonstranten gingen in La Paz auf die Straße. Sie forderten die Rückkehr des früheren Staatschefs aus seinem Exil in Mexiko.

Auslöser der Krise in Bolivien war die umstrittene Präsidentenwahl vom 20. Oktober. Der offiziell verkündete Wahlsieg des indigenen Staatschefs Morales bereits in der ersten Runde wurde von der Opposition als Betrug angeprangert und nicht anerkannt. Auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte wegen schwerwiegender Unregelmäßigkeiten gefordert, die Wahl für ungültig zu erklären. Bei den wochenlangen Protesten wurden zehn Menschen getötet und fast 400 weitere verletzt.

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