Attentäter wollte gesamte Regierung töten

Breivik plante angeblich noch viel größeres Blutbad

Oslo (AFP) - Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat nach eigenen Angaben weitaus mehr Menschen töten wollen als seine 77 Opfer. Er habe die gesamte norwegische Regierung und sämtliche Menschen auf der Insel Utöya umbringen wollen, sagte der 33-jährige Rechtsextremist vor Gericht aus. Auf seine Tat bereitete er sich mindestens seit 2006 vor - unter anderem mit Videospielen, am Schießstand und mit dem Schlucken von Anabolika.
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Verwüstungen nach Anschlag in Oslo © AFP
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Neben der 950-Kilogramm-Bombe im Regierungsviertel von Oslo, bei deren Explosion im vergangenen Juli acht Menschen getötet wurden, habe er weitere Anschläge auf den Sitz der Regierungspartei und ein drittes Ziel geplant, sagte Breivik. Ins Auge gefasst habe er unter anderem den Sitz der Zeitung "Aftenposten", das Parlament, das Rathaus und das Königsschloss.

Teil seines Plans sei es gewesen, nach den Bombenanschlägen mit einem Motorrad zu einem in Oslo bekannten besetzten Haus sowie der Zentrale der Zeitung "Dagsavisen" zu fahren und dort "so viele Menschen wie möglich hinzurichten". Stattdessen fuhr Breivik zum Jugendlager der Sozialdemokraten auf Utöya, wo 69 Menschen starben. Seit April 2011 nahm er nach eigenen Angaben Testosteron ein, am Tag der Taten steroide Anabolika.

Sein Ziel sei es gewesen, alle Teilnehmer des Jugendlagers zu töten, sagte der 33-Jährige. Damals befanden sich 569 Menschen auf der Insel. Utöya sei das "politisch attraktivste Ziel gewesen", sagte Breivik. "Ich bin kein Kindermörder. Ich denke aber, dass alle politischen Aktivisten, die sich dem Kampf für eine multikulturelle Gesellschaft verschrieben haben (...) ein legitimes Ziel sind." Die meisten Opfer waren Jugendliche.

Auf die Anschläge vorbereitet hat sich Breivik nach eigenen Angaben schon seit Jahren. 2006 habe er ein "Freijahr" genommen, sei wieder bei seiner Mutter eingezogen und habe dort bis zu 17 Stunden täglich das Videospiel "World of Warcraft" gespielt. Er habe sich dieses "Hobby" gegönnt, um sich vor seinem erwarteten Tod im Kampf gegen die "Islamisierung" Europas einen Lebenstraum zu erfüllen.

Um seine Schießfähigkeiten auszubilden, spielte Breivik nach eigenen Aussagen den Ego-Shooter "Modern Warfare" und trainierte in einem Schießclub. Bei seinen Ausführungen zu Schießtechniken lächelte Breivik mehrmals.

Sein Anwalt Geir Lippestad machte die Überlebenden und Hinterbliebenen darauf gefasst, dass die Fortsetzung am Freitag "der härteste Tag" des Prozesses werden dürfte. Breivik soll dann detailliert zu den Vorgängen auf Utöya befragt werden.

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