Blair: Wollte Macht der Medien bewusst nicht bekämpfen

Britischer Ex-Premier äußert sich zu Abhörskandal

London (AFP) - Bei einer Befragung zum Abhörskandal beim britischen Boulevardblatt "News of the World" hat der frühere britische Premierminister Tony Blair es als "strategische Entscheidung" beschrieben, während seiner Amtszeit nicht den Kampf gegen die Macht der Medien aufgenommen zu haben. Vor der Untersuchungskommission zur Ethik der Presse, die den Abhörskandal aufklären soll, sagte Blair in London, er habe befürchtet, dass die Regierung sonst mit nichts anderem mehr beschäftigt gewesen wäre.
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Blair © AFP

"Ich traf eine strategische Entscheidung", sagte Blair. "Das war kein Thema, das ich angehen wollte." Er habe zahlreiche Dinge tun wollen, die "gut für das Land, für die Labour-Partei und so weiter" gewesen seien. Hätte er die Mediengesetze reformieren wollen, hätte dies "eine absolut riesige Konfrontation" bedeutet. "Der Preis, den man dafür bezahlt hätte, hätte viele Dinge behindert, die mir wichtiger waren."

Es sei unvermeidbar, dass ranghohe Politiker und Medienvertreter eng miteinander verflochten seien, sagte Blair. Es sei jedoch wichtig, ungesunde Beziehungen zu verhindern. Das größte Problem der britischen Presse sei das Verschwimmen zwischen Nachricht und Kommentar in einigen Zeitungen. Die "Sun" und die konservative Boulevardzeitung "Daily Mail" seien die mächtigsten Blätter im Land. Wer bei der "Daily Mail" in Ungnade falle, werde Opfer eines "umfassenden Angriffs". Seine Familie und andere ihm nahe stehende Menschen hätten dies zu spüren bekommen.

Blair, der von 1997 bis 2007 Regierungschef war, hat enge Verbindungen zum australischen Medienmogul Rupert Murdoch. Er ist Patenonkel eines Kinds von Murdoch. Die zum Murdoch-Konzern gehörende Boulevardzeitung "The Sun" hatte Blair in mehreren Wahlkämpfen unterstützt.

Journalisten der mittlerweile eingestellten "News of the World" sollen illegal die Telefone von 800 Menschen abgehört haben, vor allem von Prominenten aus Politik und Showgeschäft. Auch Handy-Mailboxen von Angehörigen getöteter Soldaten sowie eines entführten Mädchens sollen geknackt worden sein. Premierminister David Cameron hatte im Juli 2011 die Kommission zur Untersuchung von Praktiken und Ethik der britischen Medien eingesetzt, die im November ihre Arbeit aufnahm.

Die Anhörung wurde durch einen Demonstranten gestört, der Blair "Kriegsverbrechen" vorwarf. "Dieser Mann sollte für Kriegsverbrechen eingesperrt werden", rief der Mann. Die Bank JP Morgan habe Blair sechs Monate nach dem Ende seiner Amtszeit für den Irak-Krieg bezahlt. Der Demonstrant wurde aus dem Saal geführt. Richter Brian Leveson, der die Untersuchungskommission leitet, entschuldigte sich bei Blair und kündigte eine Aufklärung darüber an, wie der Mann in den Gerichtssaal gelangen konnte.

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