Reisende müssen sich vor Rückkehr auf eigene Kosten testen lassen

Bundesregierung hebt Reisewarnung für Türkei teilweise auf

Berlin (AFP) - Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für die Türkei teilweise aufgehoben. Die Warnung gelte nicht mehr für die vier türkischen Küstenprovinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla, teilten Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer sowie das Auswärtige Amt am Dienstag in Berlin mit. Allerdings müssen sich alle Türkei-Reisenden innerhalb von 48 Stunden vor ihrer Rückkehr dort auf eigene Kosten auf eine mögliche Corona-Infektion hin testen lassen und weitere Sicherheitsauflagen einhalten.
Leerer Strand bei Antalya Bild anzeigen
Leerer Strand bei Antalya © AFP

Grundlage ist demnach eine Vereinbarung mit der türkischen Regierung über sicheren Reiseverkehr in der Corona-Pandemie. Zu den vier Provinzen im Südwesten des Landes zählen auch beliebte Reiseziele rings um die Orte Kaş, Bodrum oder Kuşadasi/Ephesos. Für alle anderen Provinzen, darunter auch die Metropole Istanbul sowie die Hauptstadt Ankara, bleibt die Reisewarnung bestehen.

Das Auswärtige Amt wies zudem darauf hin, dass sich an der Einstufung der gesamten Türkei als Corona-Risikogebiet nichts ändere, auch nicht an geltenden Quarantänevorschriften für Rückkehrer nach Deutschland. Falle der Corona-Test vor der Rückreise positiv aus, müssten die Reisenden sich in der Türkei in Quarantäne sowie wenn nötig in ärztliche Behandlung begeben. Die Kosten für die Tests, die unabhängig vom Aufenthaltsort in der Türkei generell verlangt würden, betragen demnach zwischen 15 und 30 Euro.

Zudem wies das Auswärtige Amt darauf hin, dass die Türkei ihrerseits bei der Einreise Messungen der Körpertemperatur veranlasst. Bei erhöhter Temperatur können weitere medizinische Untersuchungen und Tests angeordnet werden. Unabhängig von der Corona-Pandemie warnt das Auswärtige Amt auch weiterhin vor willkürlichen Festnahmen in der Türkei oder Ausreisesperren auch für deutsche Staatsbürger, denen nach türkischem Recht Vergehen vorgeworfen werden.

Demmer begründete die Entscheidung zur teilweisen Aufhebung der Reisewarnung des Auswärtigen Amts damit, dass in den genannten Provinzen mit etwa fünf Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen die Ansteckungsgefahr relativ gering sei. Auch habe die Türkei ein spezielles Tourismus- und Hygienekonzept entwickelt.

"Mit den Absprachen ist es gelungen, Tourismus in die Türkei dort zu ermöglichen, wo er in Einklang mit den erforderlichen Vorgaben des Infektionsschutzes gebracht werden kann", erklärte Demmer. "Zugleich ist es gelungen, insgesamt den Rückreiseverkehr aus der Türkei nach Deutschland so zu gestalten, dass sich die Gefahr des Eintrags neuer Infektionen in unser Land verringert." Die Lage-Entwicklung solle allerdings weiterhin fortlaufend geprüft und Warnungen wenn nötig entsprechend angepasst werden.

"Die Aufhebung erfolgt unter der Voraussetzung, dass das von der türkischen Regierung verfügte umfassende Tourismus- und Hygienekonzept strikt eingehalten wird", erklärte der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Dieses beinhalte vor allem auch verpflichtende Corona-Tests für alle Reisenden in der Türkei innerhalb von 48 Stunden vor Rückreise nach Deutschland.

Bei der Einreise nach Deutschland werden negative Testergebnisse aus der Türkei laut Robert-Koch-Institut im Regelfall anerkannt.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) begrüßte die teilweise Aufhebung der Reisewarnung. "Damit ist eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen jetzt zumindest zum Teil wieder für deutsche Urlauber offen", erklärte DRV-Präsident Norbert Fiebig am Dienstag in Berlin. Dies sei auch für die Reisewirtschaft eine "gute Nachricht".

Die Vorsitzende der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe, Sevim Dagdelen, kritisierte die teilweise Aufhebung der Reisewarnung dagegen scharf. Der Schritt komme "einer Verbeugung vor Erdogan gleich", beklagte sie in der "Welt". "Offenbar müssen hier nur oft genug türkische Minister auf den Tisch hauen und schon springt die Bundesregierung", fügte sie hinzu.

Laut "Welt" missachteten im Juni und Juli mindestens 410.000 Reisende aus Deutschland die Reisewarnung für die Türkei. Die Zeitung berief sich auf Flughafenangaben. Von den Reisenden seien mindestens 170.000 bisher schon wieder zurückgekehrt. Ein Teil der Reisen seien Familienbesuche von Menschen mit türkischen Wurzeln.

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder