Söder: Erst Parteivorsitz klären - dann Kanzlerkandidatur

CDU diskutiert über Teamlösung bei Neuaufstellung

Berlin (AFP) - Vor den ersten Gesprächen von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit den Anwärtern für ihre Nachfolge diskutiert die Partei über ihre künftige Führungsstruktur. Mehrere CDU-Politiker brachten eine Teamlösung ins Spiel: Damit könnten "die Stärken aller drei Bewerber zur Geltung kommen", sagte Vizeparteichef Thomas Strobl im ZDF. CSU-Chef Markus Söder mahnte eine rasche Entscheidung an. Er forderte am Montag, zunächst den neuen CDU-Chef zu bestimmen - der Kanzlerkandidat könne später benannt werden.
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Wer folgt auf AKK? © AFP

Kramp-Karrenbauer will in dieser Woche zu Einzelgesprächen mit den Nachfolge-Aspiranten Friedrich Merz, Jens Spahn und Armin Laschet zusammenkommen. Merz soll am Dienstag den Anfang machen, wie aus Parteikreisen verlautete. Die CDU-Chefin will in den Gesprächen sondieren, wie die Partei den Wechsel im Vorsitz möglichst reibungslos organisieren kann. Am kommenden Montag könnte sie dann dem Präsidium einen Vorschlag zum weiteren Verfahren vorlegen.

Vizeparteichef Strobl mahnte eine einvernehmliche Lösung an. "Den Gedanken, dass wir ein Team bilden, sollten wir in den nächsten Tagen intensiv miteinander besprechen", sagte er am Sonntagabend im ZDF-"heute journal". Zuvor hatte auch Bundesgesundheitsminister Spahn im ARD-"Bericht aus Berlin" eine Teamlösung nicht ausgeschlossen: "Es gibt ein hohes Bedürfnis bei unseren Wählern und unseren Mitgliedern, dass wir das im Team und mit viel Verantwortungsbereitschaft regeln."

CSU-Chef Söder sprach sich für eine zeitliche Trennung zwischen der Entscheidung über den CDU-Vorsitz und die Frage der Kanzlerkandidatur aus. Es spreche vieles dafür, Kramp-Karrenbauers Nachfolge "nicht endlos hinauszuschieben", sagte Söder vor einer CSU-Vorstandssitzung in München.

Bei der Kanzlerkandidatur halte er es aber für sinnvoller, erst Ende diesen Jahres oder Anfang 2021 eine Entscheidung zu treffen, sagte Söder. Bei der Frage des gemeinsamen Kanzlerkandidaten werde die CSU mit entscheiden.

Söder wollte sich beim CDU-Vorsitz nicht auf einen Favoriten festlegen. Die CSU unterstütze aber nur jemanden, der einen Trennungsstrich zur AfD ziehe, sagte er. Die drei genannten Aspiranten seien "sehr hervorragende Persönlichkeiten, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten können".

Kramp-Karrenbauer hatte bei ihrer Verzichtserklärung vergangene Woche zunächst vorgeschlagen, bis zum Sommer den Kanzlerkandidaten zu bestimmen und auf dem Parteitag im Dezember einen neuen Parteichef zu wählen. Dieses Verfahren steht aber inzwischen auch innerhalb der CDU zur Disposition: Erwogen wird, noch vor der Sommerpause einen Sonderparteitag zur Wahl des neuen Vorsitzenden abzuhalten.

CSU-Chef Söder mahnte die Schwesterpartei zu Mannschaftsgeist. "Es geht immer nur im Team", sagte er. Die Umfragewerte und die Akzeptanz in der Bevölkerung müssten verbessert werden.

SPD-Vizechef Kevin Kühnert wies unterdessen auf Profilierungschancen für seine Partei angesichts der Neuaufstellung bei der CDU hin - etwa bei einer Benennung des Konservativen Merz zum Kanzlerkandidaten. "Da gibt es sicherlich in Reihen der Unions-Wählerschaft Leute, die auch für eine sozialdemokratische Politik zu haben sind - und sich nicht von Friedrich Merz vertreten lassen wollen", sagte Kühnert bei RTL/n-tv.

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