Der Zug mit den elf Castor-Behältern hatte in der Nacht zum Sonntag im Güterbahnhof Maschen bei Hamburg Halt gemacht und startete erst gegen Mittag Richtung Dannenberg. Dort werden die Behälter vom Zug auf Lastwagen umgeladen und dann ins Zwischenlager Gorleben gefahren.
Im Vorjahr war der Castor nach 92 Stunden im Zwischenlager angekommen - das war bereits der bis dahin längste Transport. Aus Sicht der Demonstranten ist jede Verlängerung des Transports ein Erfolg. Für das Land Niedersachsen bedeutet dies dagegen hohe Kosten. Im vergangenen Jahr betrugen die Ausgaben des Landes für den Castor-Transport 36,5 Millionen Euro.
Atomkraftgegner ketteten sich an Gleise und an eine Betonpyramide, um die Fahrt des Zuges zu verzögern. An der 19 Kilometer langen Straßenstrecke ins Zwischenlager sammeln sich Demonstranten, um die Straße zu blockieren. Am frühen Sonntagmorgen hatte die Polizei eine Gleisblockade von tausenden Atomkraftgegner weitgehend friedlich beendet.
Der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster beklagte aber dennoch eine zunehmende Gewaltbereitschaft bei den Protesten. Laut "Welt am Sonntag" berichtet der für den Transport verantwortliche Niehörster einer Gruppe niedersächsischer Landtagsabgeordneter, dass Polizisten zum Beispiel mit Golfbällen beworfen worden sind, die zuvor mit Nägeln präpariert worden waren. Er berichtet zudem von Brandanschlägen auf Kabelschächte der Bahn und von angesägten Bäumen, die auf Polizeiautos gestürzt werden sollten.
Grünen-Chefin Claudia Roth warf ihrerseits der Polizei ein "absolut überzogenes" Vorgehen vor. Der Einsatz sei "ein Anschlag auf die Demokratie", sagte sie auf dem Bundesparteitag der Grünen in Kiel. Ausdrücklich rechtfertigte sie auch die Blockaden der Castor-Gegner. "Es geht für mich um das Demonstrationsrecht und da gehört die Blockade dazu." Die Gewerkschaft der Polizei erwiderte, das Verhalten der Beamten sei "tadellos". Sie dürften und müssten notfalls körperliche Gewalt anwenden und von ihren polizeilichen Einsatzmitteln Gebrauch machen.
Der Castor-Transport ist der letzte mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in La Hague in Frankreich. Er war am Mittwoch gestartet. In ganz Deutschland sind während des Transports rund 19.000 Polizisten im Einsatz.
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