Knieps: "Das Risiko müssen wir eingehen"

Chef des Betriebskrankenkassen-Verbands fordert rasche Öffnung von Schulen

Berlin (AFP) - Im Vorfeld des Bund-Länder-Treffens zu Beratungen über die Corona-Krise hat der Chef des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen, Franz Knieps, eine rasche Öffnung der Schulen gefordert. "Die Schulen müssen wieder geöffnet werden, je schneller desto besser", sagte Knieps dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Montagsausgaben). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Dienstag über weitere Corona-Maßnahmen beraten.
Leerer Klassenraum in Bayern Bild anzeigen
Leerer Klassenraum in Bayern © AFP

Mittlerweile wisse man, dass Kinder beim Infektionsgeschehen eine größere Rolle spielten als bisher vermutet, räumte Knieps ein. "Aber das Risiko müssen wir eingehen", forderte er und verwies auf unterschiedliche Ausgangslagen in den Elternhäusern.

Nicht jedes Kind habe Zugang zu einem Computer und erhalte Unterstützung beim Lernen. In einigen Haushalten sei nicht einmal ein warmes Mittagessen sicher, fügte Knieps hinzu. "Der Staat kann doch nicht hinnehmen, dass es vom Geldbeutel oder dem Improvisationstalent der Eltern abhängt, ob die Kinder Zugang zu Bildung bekommen", sagte er dem RND.

Der Chef des Betriebskrankenkassen-Verbandes forderte zudem, die strikten Kontaktbeschränkungen für unter 14-Jährige zu lockern. Da Kinder nirgends alleine hingingen, bedeute die Regelung für sie ein völliges Kontaktverbot. "Das ist doch krank", fügte er hinzu.

Knieps kritisierte im Interview mit dem RND auch die Zielvorstellungen von Bund und Ländern in der Corona-Politik. "Die ausgegebene Zielmarke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen ist in diesem Winter nicht mehr zu erreichen", sagte er. Ein solches Ziel zeuge von einem Unverständnis über den Verlauf einer Pandemie. "Ein realistisches Ziel kann allenfalls sein, den jetzigen Wert zu halten", sagte er.

Das Spitzentreffen der Ministerpräsidenten sollte ursprünglich erst am 25. Januar stattfinden. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte zu der Vorverlegung des Termins: "Entscheidungen stehen an, wenn sie anstehen." Das Coronavirus richte sich nicht nach staatlichen Terminkalendern.

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