Der mutmaßliche Serien-Attentäter Mohammed M. hält sich seit etwa 03.00 Uhr am Morgen in dem Haus verschanzt. Er bekannte sich laut Staatsanwaltschaft zu den drei Angriffen, bei denen in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet wurden, darunter drei jüdische Kinder. Innenministers Claude Guéant hatte am Abend gesagt, der Mann wolle sich bald ergeben.
Die "Bedingungen" dafür würden derzeit ausgehandelt, sagte Guéant dem Fernsehsender TF1. Er hoffe, dass eine Erstürmung des Hauses, in dem sich der Mann verschanzt hält, verhindert werden könne. Dieser solle nach Möglichkeit "lebendig" gefasst werden, damit er "verurteilt werden" könne, sagte Guéant.
Der 23-jährige Mohammed M. hatte Polizeibeamten zuvor gesagt, er wolle "zum Ende des Abends" aufgeben. Nach Guéants Worten bekräftigte er zudem, seine Taten im Auftrag des Terrornetzwerks Al-Kaida begangen zu haben. Jedoch habe er nach eigenen Angaben einen Selbstmordanschlag abgelehnt, sagte der Minister. Dies hatte zuvor bereits die Staatsanwaltschaft berichtet. Der Mann habe gesagt, "dass er keine Märtyrer-Seele hat, er zieht es vor zu töten und selbst am Leben zu bleiben", sagte der Staatsanwalt von Paris, François Molins, in der südfranzösischen Stadt.
In dem Stadtviertel von Toulouse wurde gegen 21.00 Uhr die Straßenbeleuchtung gelöscht. Mohammed M. hielt sich dort seit etwa 03.00 Uhr am Morgen verschanzt. Er bekannte sich laut Staatsanwaltschaft zu den drei Angriffen, bei denen in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban sieben Menschen starben, darunter drei jüdische Kinder.
Die Polizei hatte den mutmaßlichen Täter zwei Tage nach dem tödlichen Angriff auf eine jüdische Schule in Toulouse aufgespürt, vor der Mohammed M. am Montag drei Kinder und einen Lehrer erschossen hatte. Gegen drei Uhr nachts umstellten Elitepolizisten das vierstöckige Haus im Osten von Toulouse.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft steht ein Elitepolizist in Kontakt mit dem algerischstämmigen Mann, der am Morgen gesagt hatte, er sei Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida. Der mutmaßliche Serien-Attentäter zeige "keinerlei Reue", vielmehr bedauere er, dass er nicht noch mehr Menschen habe töten können. Seine Attentate glorifiziere er mit den Worten, er habe "Frankreich in die Knie gezwungen". Der 23-Jährige plante demnach, einen weiteren Soldaten sowie zwei Polizisten zu töten.
Staatsanwalt Molins bestätigte, dass M. zweimal in Afghanistan und in Pakistan war, dass er aber "ein untypisches Profil salafistischer Selbstradikalisierung" aufweise. Er sei mit eigenen Mitteln und nicht über die bekannten Netzwerke nach Afghanistan gekommen. Der Mann habe auch behauptet, von Al-Kaida in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet worden zu sein.
Bei einer Straßenkontrolle sei er von der afghanischen Polizei festgenommen und an die US-Truppen übergeben worden, die ihn zurück nach Frankreich geschickt hätten, sagte der Staatsanwalt weiter. Von Mitte August bis Mitte Oktober 2011 sei er in Pakistan gewesen. Bisher gebe es keine Hinweise, dass er einer bestimmten Organisation angehöre. Sein Bruder Abdelkader, der in Polizeigewahrsam genommen wurde, war demnach vor einigen Jahren in ein Netzwerk für islamistische Kämpfer für den Irak involviert.
Der verschanzte M. hat sich laut Staatsanwaltschaft zu den drei Angriffen bekannt, bei denen in den vergangenen Tagen sieben Menschen starben, darunter drei jüdische Kinder. Der 23-jährige habe sich als Einzeltäter ausgegeben.
Mehrere Versuche, seine Wohnung zu stürmen, scheiterten: Der schwer bewaffnete Mann schoss durch die Tür auf die Polizisten und verletzte zwei von ihnen leicht. Als Grund für seine Bluttaten gab er an, er habe "palästinensische Kinder rächen" und die französische Armee angreifen wollen. Der französische Geheimdienst beobachtete den Mann schon seit Jahren. Doch habe nichts darauf hingedeutet, dass der 23-Jährige einen Anschlag plane, hieß es.
Der mutmaßliche Serien-Attentäter hatte am 11. März zum ersten Mal zugeschlagen: Er erschoss in Toulouse auf offener Straße einen Fallschirmjäger in Zivil. Wenige Tage später tötete er im nahegelegenen Montauban zwei weitere Fallschirmjäger. Dann griff er die jüdische Schule an. Der Mann entkam nach seinen Angriffen, die er am helllichten Tage verübte, stets mit einem Motorroller. Der Roller und ein Mail-Wechsel mit seinem ersten Opfer brachten die Polizei auf seine Spur.
Unklar ist noch, ob der verschanzte Täter auch über Sprengstoff verfügte. Der Mann habe "ein Kommunikationsmittel" verlangt und "dies gegen einen Colt 45 ausgetauscht, den er aus dem Fenster geworfen hat", sagte Guéant. Der Verdächtige habe aber versichert, er habe noch eine Kalaschnikow, eine Uzi-Maschinenpistole und außerdem mehrere Faustfeuerwaffen. Im Auto seines Bruders von M. fanden die Ermittler Sprengstoff.
Für die getöteten Fallschirmjäger fand am Nachmittag in Montauban im Beisein von Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine Trauerfeier statt. Der Präsident sprach dort von einer "terroristischen Hinrichtung". Angesichts der "feigen Morde" rief er zur nationalen Einheit auf.
Die vier jüdischen Opfer des Attentäters waren zuvor in Jerusalem beigesetzt worden. Auf dem Friedhof Har Hamenouhot versammelten sich rund 2000 Trauernde zum letzten Geleit für die beiden vier und fünf Jahre alten Jungen, ihren Vater und ein siebenjähriges Mädchen. Auch der französische Außenminister Alain Juppé nahm an der Zeremonie teil.
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