Gesundheitsämter beschäftigen wegen Corona 5900 zusätzliche Mitarbeiter

Deutsche Krankenhäuser sehen sich gut gerüstet für zweite Corona-Welle

Berlin (AFP) - Die Kliniken in Deutschland sehen sich für eine mögliche zweite Welle an Corona-Erkrankten gut gerüstet. "Die Krankenhäuser sind gut auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, der "Rheinischen Post" vom Mittwoch. "Wir haben noch immer eine erhöhte Freihaltung bei Intensivplätzen und Isolierzimmern." In der Corona-Krise sind von den Gesundheitsämtern knapp 6000 zusätzliche Beschäftigte eingesetzt worden, wie eine Umfrage von Städtetag und Landkreistag ergab.
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Krankenhaus © AFP

Auch die Bevorratung mit Schutzausrüstung sei heute besser als zu Beginn des Jahres, sagte Braun. Hinzu komme, dass die Krankenhäuser in den vergangenen Monaten viele Erfahrungen gesammelt hätten, die ihnen für eine mögliche zweite Welle zugute kämen. Kritik übte Baum daran, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Untergrenzen für Pflegepersonal wieder in Kraft gesetzt habe.  "Im Notfall brauchen die Krankenhäuser Flexibilität, um Patienten versorgen zu können - unabhängig von für Pandemielagen definitiv nicht geeigneten Personalvorgaben."

Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt zeigte sich zuversichtlich: "Die Neuinfektionsrate ist zwar gestiegen, sie bewegt sich aber verglichen mit vielen anderen Ländern noch immer auf einem niedrigen Niveau." Das deutsche Gesundheitswesen sei weit von einer Überlastung entfernt. "Sollte sich eine mögliche zweite Corona-Welle nicht vollkommen anders entwickeln als die erste, ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung in den Kliniken wie auch in den Arztpraxen sichergestellt."

Die Linke setzte sich für eine Entprivatisierung von Krankenhäusern ein. "Wer mit Krankenhäusern Profite macht, tut dies auf Kosten der Versorgung von Patienten und auf dem Rücken der Beschäftigten", sagte ihr Gesundheitsexperte Harald Weinberg. Allein die vier großen privaten Träger - Helios, Asklepios, Sana und Rhön - verbuchten jährlich mehr als 1,5 Milliarden Euro Gewinne, die aus den Beiträgen der Krankenversicherten finanziert werden. Gewinne aus Krankenhäusern dürften nicht an Eigentümer und Aktionäre ausgeschüttet werden.

Nach Angaben des Städtetags und des Landkreistags sind in den 356 Gesundheitsämter in den Flächenländern derzeit rund 13.900 Stellen mit Ärzten sowie nicht ärztlichem Personal besetzt. Im Zuge der Corona-Pandemie hätten die Ämter weitere 5900 Beschäftigte eingesetzt, vor allem zur Kontaktnachverfolgung, für Corona-Tests und zur Kontrolle von Quarantäne.

An der Umfrage nahmen 252 von 356 Gesundheitsämtern teil, das Ergebnis für die Beschäftigtenzahl in allen Ämtern der Flächenländer wurde hochgerechnet. "Die Ämter sind deutlich besser ausgestattet, als in der öffentlichen Debatte zum Teil angenommen wird", sagte Dedy der "Passauer Neuen Presse".

Der für August geplante Corona-Gipfel der Bundesregierung mit den Gesundheitsämtern und Kommunalvertretern hat sich auf den 8. September verschoben, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf Teilnehmerkreise berichtete. Eingeladen werden sollen neben Vertretern von Gesundheitsämtern auch Oberbürgermeister und Landräte. Bis zum 30. August wollen Bund und Länder einen "Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst" vorlegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Angaben zufolge den Gipfel mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst nach einer Ministerpräsidentenkonferenz Mitte Juni für August angekündigt.

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