Zahl der Minderjährigen mit Trans-Identität steigt stark

Ethikrat legt Empfehlungen zu Umgang mit Trans-Kindern vor

Berlin (AFP) - Angesichts der stark steigenden Zahl von Kindern mit Trans-Identität hat der Deutsche Ethikrat erstmals Empfehlungen zum Umgang mit Betroffenen vorgelegt. Es sei eine "ethische Herausforderung, Minderjährige auf dem Weg zu einer eigenen geschlechtlichen Identität zu unterstützen und zugleich vor - teils irreversiblen - Schäden zu bewahren", erklärte das Gremium am Freitag. Bei Kindern komme "erschwerend" hinzu, dass wichtige Entscheidungen zur Behandlung getroffen werden müssen, wenn das Kind "noch nicht vollumfänglich einsichts- und urteilsfähig" sei.
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Transgender-Jugendlicher in Chile © AFP

Von Trans-Identität ist dann die Rede, wenn die empfundene geschlechtliche Identität eines Menschen vom zugeschriebenen Geburtsgeschlecht abweicht - wenn sich also etwa ein als Mädchen geborenes Kind als Junge empfindet.

Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen sei "in den letzten Jahren sehr stark gestiegen", erklärte der Ethikrat. Die Ursachen dieses Anstiegs, der vor allem Betroffene mit weiblichem Geburtsgeschlecht betreffe, bedürfe "dringend weiterer Klärung".

Zu den Therapiemöglichkeiten bei Kindern mit Trans-Identität zählen etwa Hormonbehandlungen, mit denen die geschlechtliche Reifung des Körpers in der Pubertät beeinflusst werden kann. Solche Behandlungen können aber langfristige Folgen haben - etwa Unfruchtbarkeit. Zu den ethisch schwierigen Fragen zählt, wer die Entscheidung über eine solche Behandlung zu treffen hat - den Kindern allein soll die Entscheidung nicht überlassen werden.

Der Ethikrat empfahl nun, den Willen des Kindes "maßgeblich" zu berücksichtigen, sofern es hinreichend urteils- und einsichtsfähig ist, die Tragweite der Entscheidung zu verstehen. Ohne seine Zustimmung oder gar gegen seinen Willen dürfe ein Kind nicht behandelt werden. Zum allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Kindes zähle auch das Recht, ein Leben entsprechend der empfundenen Geschlechtsidentität zu führen.

Der Ethikrat mahnte eine weitere Diskussion über die Frage an, welche Konsequenzen aus dem starken Anstieg der Zahl der Trans-Kinder zu ziehen seien und welche medizinischen und psychotherapeutischen Angebote angemessen seien.

Der Deutsche Ethikrat hat den gesetzlichen Auftrag, ethische, gesellschaftliche, wissenschaftliche und rechtliche Fragen zu bearbeiten - insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere die Information der Öffentlichkeit und die Förderung der Diskussion in der Gesellschaft. Der Ethikrat ist in seiner Tätigkeit unabhängig. Ihm gehören 26 Mitglieder an.

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