Studie bestätigt Anstieg der Gewalttaten während Flüchtlingszuzugs

Experten fordern mehr Vorbeugung gegen Gewaltkriminalität bei Flüchtlingen

Berlin (AFP) - Angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Gewaltkriminalität bei Flüchtlingen sind Forderungen nach besserer Vorbeugung laut geworden - aber auch nach konsequenter Abschiebung von Straftätern. Einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zufolge ist in Niedersachsen die Gewaltkriminalität zwischen 2015 und 2016 um 10,4 Prozent angestiegen. Zu 92,1 Prozent sei dies Flüchtlingen zuzuschreiben.
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Sprachkurse könnten Gewaltkriminalität eindämmen © AFP

Angebote wie Sprachkurse und Sport bis hin zu Berufspraktika auch für Zuwanderer ohne Bleibeperspektive könnten dem Kriminalitätsrisiko entgegenwirken, erklärten der frühere Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, und weitere Experten in der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellten Untersuchung.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland: "Dort, wo diesem Personenkreis kaum Perspektiven aufgezeigt werden, Bildungs- und Integrationsangebote fehlen, kommt es deutlich öfter zu Gewalttaten."

Die Ergebnisse der Studie belegten aber zugleich, dass es sich bei den straffällig gewordenen Migranten vor allem um junge Leute aus nordafrikanischen Ländern handele, die hier kaum als Asylbewerber anerkannt würden, sagte Malchow. Abgelehnte oder straffällig gewordene Asylbewerber müssten "zügig in ihre Heimatländer zurückgeführt werden". Zugleich wandte er sich dagegen, die Idee des Familiennachzugs für jugendliche Flüchtlinge zu verteufeln. Dieser könne "Integration und regelgerechtes Verhalten" fördern.

Pfeiffer sowie seine Mitautoren Dirk Baier von der Schweizer Hochschule ZHAW und Sören Kliem vom KFN erklärten den Anstieg bei der Gewaltkriminalität knapp zur Hälfte mit dem starken Flüchtlingszuzug. Als weitere Faktoren für die Zunahme der Gewalttaten nannten sie unter anderem den hohen Männeranteil.

Knapp zwei Drittel der in Niedersachsen registrierten Gewalttaten von Flüchtlingen seien jungen Männern zuzurechnen, die "in jedem Land der Welt" bei Gewalt- und Sexualdelikten deutlich überrepräsentiert seien. Dabei spielten auch "gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen" in den überwiegend muslimischen Herkunftsländern eine bedeutende Rolle.

Auf der anderen Seite wirkt sich der geringe Frauenanteil unter den Flüchtlingen aus. "Frauen zivilisieren die Männer", sagte Pfeiffer am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin. Das Fehlen von Partnerinnen, Müttern oder Schwestern sei ein "Problem", die Forderung nach Familiennachzug aus kriminologischer Sicht daher sinnvoll.

Als bedeutenden Faktor sehen die Experten auch den Aufenthaltsstatus. Wer als Kriegsflüchtling komme oder aus anderen Gründen gute Chancen sehe, in Deutschland bleiben zu dürfen, "wird bemüht sein, diese Aussichten nicht durch Straftaten zu gefährden", heißt es in der Studie. Der Anteil von Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan unter den Tatverdächtigen sei deutlich geringer als jener von Nordafrikanern, die kaum eine Bleibeperspektive haben.

"Die Mehrheit der Menschen, die bei uns Schutz suchen, ist nicht kriminell", erklärte die Integrationsbeauftragte der geschäftsführenden Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD). Eine Lehre aus der Studie sei, dass die nächste Bundesregierung noch größere Anstrengungen unternehmen müsse, "damit Menschen ohne Bleibeperspektive zügig in ihre Herkunftsländer zurückkehren". Mit Abschiebungen allein werde das aber nicht gelingen, nötig seien auch Programme zur freiwilligen Rückkehr.

In den Fällen, in denen eine Rückkehr kurzfristig nicht möglich sei, müsse eine bessere Anbindung an Ausbildung und Arbeit erfolgen. "Niemand darf zum Herumsitzen gezwungen sein", erklärte Özoguz.

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