Salafisten wollen 25 Millionen Bücher verteilen

FDP sieht keine Handhabe für Verbot von Koran-Verteilung

Osnabrück (AFP) - Die FDP sieht keine Handhabe für ein Verbot der umstrittenen Verteilung von Gratis-Koranen durch Salafisten. "Solange bei der konkreten Verteilung in Fußgängerzonen oder anderswo keine Gesetze verletzt werden, ist ein Verbot nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar", sagte die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Verfassung schütze das Werben für den eigenen Glauben, solange dieser nicht die Verfassung ablehne.
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Salafisten wollen 25 Millionen Koran-Bände verteilen © AFP

Piltz fügte hinzu, die "schwarzen Schafe des radikalen Salafismus" dürften nicht mit dem Islam verwechselt werden. "Es ist unverzeihlich, dass die aktuelle Koran-Verteilung durch die Salafisten die heilige Schrift der Muslime als Werbemittel für Extremismus missbraucht."

Berliner Sicherheitskreise warnten derweil vor Panikmache angesichts der Koran-Aktion. "Wir beobachten die Aktion bundesweit bereits seit Oktober 2011", zitierte die "NOZ" einen Nachrichtendienstmitarbeiter. Zudem seien die Salafisten schon seit einigen Jahren im Internet sehr aktiv. "Die Salafisten versuchen derzeit, ihr Spektrum zu erweitern und neue Anhänger zu rekrutieren", sagte der Behördenmitarbeiter.

Der Religionssoziologe Rauf Ceylan wertete die Koran-Verteilung in erster Linie als eine große PR-Kampagne der Salafisten. "Fundamentalistische Gruppen wollen vor allem eins: Aufmerksamkeit", sagte der Osnabrücker Islamwissenschaftler der "NOZ". In diesem Zusammenhang müsse auch die große Zahl von 25 Millionen Koran-Exemplaren gesehen werden, die verteilt werden sollten. "Allein die Masse schreckt auf", sagte Ceylan. "Damit ist den Salafisten die mediale Beachtung sicher."

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", die Gefahr liege darin, "dass durch die Verteilaktion junge Leute für die salafistische Ideologie geworben werden sollen". Diese stehe im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und biete "einen ideologischen Nährboden für den islamistischen Terrorismus".

Salafisten sind Anhänger einer fundamentalistischen Strömung des Islam. Sie streben nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einen islamischen Gottesstaat an, der mit der westlichen Demokratie unvereinbar ist. Im Einzelfall akzeptieren sie demnach zur Durchsetzung ihrer Ideologie auch den Einsatz von Gewalt.

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