Patientenschützer sieht darin hingegen Mobilisierung der Ablehnung

Fast die Hälfte der Bürger befürwortet Widerspruchslösung bei Organspende

Berlin (AFP) - Fast die Hälfte der Bundesbürger befürwortet beim Thema Organspende die sogenannte Widerspruchslösung. In einer Umfrage des Instituts YouGov für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Samstag gaben 47 Prozent der Befragten an, sie befürworteten die Lösung, wonach jeder Bürger Organspender ist, solange er dem nicht ausdrücklich widerspricht. 38 Prozent lehnten das ab, 15 Prozent machten keine Angabe. Befragt wurden Mitte Mai 2000 repräsentativ ausgewählte Menschen.
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Rückseite eines Organspendeausweises © AFP

Der Vorschlag der Widerspruchslösung stammt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), unterstützt wird er von dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Die Kritiker der Widerspruchslösung, vor allem Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Linken-Chefin Katja Kipping, setzen stattdessen auf mehr Information und Beratung und stellten einen eigenen Gesetzentwurf vor.

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sieht in der RND-Umfrage einen Beleg dafür, dass der Gesetzentwurf von Spahn und Lauterbach keine Mehrheit in der Bevölkerung hat. "Bisher stehen 84 Prozent der Bevölkerung der Organspende positiv gegenüber", sagte er AFP. Mit Blick auf die 47 Prozent Zustimmung zur Widerspruchsregelung sieht er das Ziel, dass diese die Zahl der Organentnahmen steigern soll, nicht gegeben: "Die Widerspruchslösung mobilisiert offensichtlich die Ablehnung", sagte Brysch.

Bundesärztepräsident Frank Ulrich Montgomery beklagte die mitunter respektlose politische Auseinandersetzung zum Thema. "Ich appelliere an alle Abgeordneten, wieder zu einer sachlichen Debatte zurückzukehren", sagte er dem RND. Normalerweise seien ethische Debatten im Bundestag ruhig und besonnen. "Die Debatte um die Organspende wird aber inzwischen von einigen mit harten Bandagen und viel Ideologie geführt", sagte Montgomery. Die Ideen anderer zu diffamieren, schade aber letztlich der Sache.

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