ChinaAid erklärte, Vertreter der USA und Chinas berieten bereits auf hoher Ebene über den Fall. Die Organisation rief Washington dazu auf, Chens Sicherheit zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass es "keine Repressalien" gegen seine Familie gebe.
Chens Vertrauter Hu Jia sagte, seiner Überzeugung nach sei Chen in der US-Botschaft in Sicherheit: "Welcher Ort könnte sicherer sein?", fragte er. Hu wurde später am Samstag selbst zu einem Verhör festgenommen, wie seine Frau Zeng Jinyan am Sonntag im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter schrieb. Die Behörden bestellten sie demnach ebenfalls zu einer Befragung ein.
Die USA nahmen zu dem Fall zunächst nicht Stellung. Außenamtssprecherin Victoria Nuland lehnte einen Kommentar ab. Washington habe in der Angelegenheit immer seine "Sorge" zum Ausdruck gebracht, sagte sie lediglich. Clinton, die den Fall in der Vergangenheit wiederholt erwähnte, wird am Donnerstag gemeinsam mit Finanzminister Timothy Geithner in Peking erwartet.
Chens Flucht war am Freitag bekannt geworden. Der 40-Jährige meldete sich in einem an Chinas Regierungschef Wen Jiabao gerichteten Video zu Wort und bat um Sicherheit für seine Familie. Chinesischen Sicherheitskräften warf er vor, ihn und seine Angehörigen misshandelt zu haben. Chen war nach vier Jahren Haft im September 2010 aus dem Gefängnis entlassen worden und stand seitdem unter Hausarrest.
Chen ist einer von zahlreichen autodidaktischen "Rechtsanwälten", die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten. Er zog vor allem mit Kritik an der rigiden Ein-Kind-Politik den Zorn Pekings auf sich, nachdem er viele erzwungene Spätabtreibungen und Zwangssterilisierungen von Frauen aufgedeckt hatte.
Die chinesischen Staatsmedien berichteten nicht über den Fall. Zhu Feng, Experte für internationale Beziehungen an der Universität von Peking, nannte es aber "sehr interessant", dass die USA die Berichte über einen Aufenthalt Chens in ihrer Botschaft weder bestätigten noch dementierten. Die Angelegenheit sei "politisch sehr, sehr sensibel".
Einwohner in Chens Heimatort Dongshigu in der östlichen Provinz Shandong zeigten sich angesichts der Nachricht von seiner Flucht ungläubig. Es gebe "eine Betonmauer um sein Haus" und "überall Überwachungskameras", weshalb eine Flucht "unmöglich" sei, sagte ein Anwohner. Ein anderer Mann betonte, Chen sei "Tag und Nacht" von etwa 60 Sicherheitskräften überwacht worden.
Zuletzt hatte im Juni 1989 ein bekannter chinesischer Menschenrechtsaktivist nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung Zuflucht in der US-Botschaft in Peking gefunden. Nach einem Jahr war der Astrophysiker Fang Lizhi im Jahr 1990 ins Exil in die USA gegangen. Dort starb er vor rund drei Wochen im Alter von 76 Jahren.
Noch keine Kommentare vorhanden