Frankreich setzt sich mit Personalie gegen Kanada durch

Frankophonie-Gipfel wählt Ruandas Außenministerin Mushikiwabo zur Vorsitzenden

Jerewan (AFP) - Die Internationale Organisation der Frankophonie (OIF) hat Ruandas Außenministerin Louise Mushikiwabo zu ihrer neuen Vorsitzenden gewählt. Bei ihrem Gipfeltreffen im armenischen Eriwan wählten die Vertreter der 84 Mitgliedstaaten am Freitag einstimmig die 57-jährige Wunschkandidatin Frankreichs zur Generalsekretärin. Zuvor hatten zwei gewichtige Mitglieder - Kanada und die kanadische Provinz Québec - ihre Unterstützung für die amtierende OIF-Vorsitzende Michaëlle Jean zurückgezogen. Die Kanadierin stand vier Jahre an der Spitze der Organisation.
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Ruandas Außenministerin Louise Mushikiwabo © AFP

Mushikiwabo wurde von Hauptgeldgeber Frankreich und zahlreichen afrikanischen Staaten unterstützt. An ihrer Kandidatur gab es aber wegen der Sprachpolitik Ruandas und wegen der Lage der Menschenrechte in dem ostafrikanischen Land auch Kritik.

Die frühere belgische Kolonie Ruanda ersetzte 2008 Französisch durch Englisch als Pflichtsprache an den Schulen und trat 2009 dem Commonwealth bei, dem anglophonen Gegenstück der Frankophonie. Präsident Paul Kagame kündigte Mushikiwabos Kandidatur auf Englisch an.

Zweifel gibt es zudem am Bekenntnis Ruandas zu den demokratischen Werten der OIF. Kagame war 2017 mit 98 Prozent für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden. Aufgrund einer Verfassungsänderung darf er bis 2034 im Amt bleiben.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich für Mushikiwabos Kandidatur stark gemacht. Er will die Beziehungen seines Landes zu Ruanda verbessern, die seit dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994 angespannt sind. Die Regierung in Kigali wirft Frankreich eine Mittäterschaft an dem Genozid an 800.000 Menschen vor.

Mit Ausnahme der Kanadierin Jean standen stets Afrikaner an der Spitze der Frankophonie-Organisation. Afrika macht einen Großteil der französischsprachigen Welt aus, mit steigender Tendenz. Im Jahr 2050 werden angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums in Afrika 85 Prozent der frankophonen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent leben.

Macron hatte die Gegend um das Kongo-Becken als "Epizentrum der französischen Sprache, unserer französischen Sprachen" bezeichnet. Der französische Staatschef will das Französische fördern, ohne andere Sprachen abzuwerten. Er plädiert für das Nebeneinander verschiedener Sprachen, wie es auch in Ruanda praktiziert wird.

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