Am Donnerstag waren rund 1200 Polizisten und mehr als 60 Staatsanwälte in Schleswig-Holstein, Hamburg und Hannover gegen Mitglieder der Rockergruppe "Hells Angels" vorgegangen. Bei der großangelegten Razzia, an der zahlreiche Spezialkräfte von Bundes- und Landespolizei teilnahmen, durchsuchten sie rund 90 Objekte, vor allem in und um die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel. Fünf Personen wurden nach Angaben der Behörden vorläufig festgenommen.
Hintergrund der Aktion sind zahlreiche Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder des im Januar verbotenen Kieler "Hells Angels"-Ablegers, die teils seit Jahren geführt werden. Dabei geht es laut Polizei und Staatsanwaltschaft unter anderem um Waffen- und Menschenhandel, Erpressung, Korruption und Körperverletzung. Bei der Razzia suchten die Beamten nach eigenen Angaben zugleich nach Spuren in einem Vermisstenfall aus dem Jahr 2010, bei dem es sich möglicherweise um ein Tötungsdelikt im Zusammenhang mit Aktivitäten der Rockergruppe handeln könnte.
Die Korruptionsermittlungen richten sich den Angaben zufolge auch gegen je einen Mitarbeiter der schleswig-holsteinischen Polizei, eines Gefängnisses und der Stadt Kiel. Sie sollen mit den "Hells Angels" zusammengearbeitet haben.
Nach Angaben deutscher Sicherheitsbehörden gehören Mitglieder der "Hells Angels" und konkurrierender Rockergruppierungen wie den "Bandidos" oder "Mongols" zur organisierten Kriminalität, etwa im Bereich des Drogen- und Menschenhandels. Mehrfach kam es zwischen den Clubs zu gewaltsamen Konflikten. Die Bundesländer verboten bereits mehrfach regionale Ableger. In Schleswig-Holstein wurden bisher drei Clubs aufgelöst.
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